Kontinuierlich vorwärts kommen - Prozess statt Ergebnis

Fokus auf den Prozess: So kommst Du bei Deinen Schreibvorhaben kontinuierlich weiter

Manuela und Richard haben sich ganz zielstrebig ans Schreiben ihrer Bücher gemacht. Manuela hatte sich die Wochenenden für ihr Sachbuch geblockt und wollte pro Wochenende ein ganzes bzw. ein halbes Kapitel schreiben. Richard hat ausgerechnet, dass er für seinen Science-Fiction-Roman 500 Wörter am Tag schreiben muss, um nach einem halben Jahr die erste Fassung fertig zu haben (der Roman soll 300 Seiten umfassen, 500 Wörter entsprechen zwei Normseiten, und wenn Richard an 6 Tagen pro Woche schreibt, ist er nach 25 Wochen fertig).

Soweit der Plan

Der nur leider in beiden Fällen nicht funktioniert hat (sonst würde ich hier nicht darüber schreiben).

Natürlich ist es gut, einen Plan zu haben, der erreichbar, ins Umfeld passend und auch motivierend ist. Was bei Manuela und Richard der Fall war, denn „ihre Hausaufgaben“, also die Recherche, hatten sie weitgehend schon erledigt, sodass es ihnen zumindest theoretisch möglich war, ihre Schreibziele zu erreichen. Auch wenn die Ziele durchaus sportlich waren.

Was schief gelaufen ist

Ein sportliches Ziel mit der Erwartung, ein ganz konkretes Ergebnis zu erzielen: Das kann funktionieren. Kann aber auch leicht dazu führen, dass man das gewünschte Ziel nicht ganz erreicht. Dass das Kapitel nicht komplett fertig wird, dass man mehrere Tage hintereinander nicht die gewünschte Anzahl an Wörtern schreibt.

Das führt dann schnell zu Enttäuschung, zu Frust. Nicht selten auch zu Selbstzweifeln, zu negativen Selbstgesprächen und Selbstabwertung. Und schon steckt man in einer Abwärtsspirale, die immer mehr am Selbstwertgefühl nagt. Sich da am nächsten Wochenende oder am nächsten Tag wieder aufzuraffen und mit frischer Energie loszulegen, wird immer schwieriger.

Die Fixierung auf ein bestimmtes Ergebnis kann – und tut das auch häufig – in eine Blockade führen.

Wie es besser geht: Fokus auf den Prozess statt auf das Ergebnis

Das beste Gegenmittel, mit dem man einer solchen Blockade oder Lähmung vorbeugt, ist ein Perspektivwechsel: Konzentriere dich nicht auf das Ergebnis, sondern auf den Prozess, also auf die Schritte, die dich zum Ergebnis bringen.

Fokus auf den Prozess heißt beim Schreiben:

  • Statt dir vorzunehmen, beispielsweise Kapitel 3 deines Buchs oder Berichts zu schreiben, setze dir als Ziel, eine Stunde oder zwei Stunden (mit Pause) am PC zu sitzen und nichts anderes zu tun als zu schreiben – also keine E-Mails, kein Facebook, kein Web, kein Spiel. Und wenn zwei Stunden zu lang sind, dann nimm 60 oder 30 Minuten. Diese Zeit ist ganz allein für das Schreiben gedacht. Wenn du nicht schreibst, dann sitzt du vor deiner Tastatur – und bleibst da auch.
  • Du hast „gewonnen“, wenn du in der dafür reservierten Zeit dranbleibst und nichts anderes tust, als zu schreiben. Löschen kannst du das Geschriebene hinterher immer noch. Oder es überarbeiten.

Und natürlich kannst du dir auch mehrere Schreibzeiten am Tag einplanen, wenn das möglich ist.

Der Druck, unter den wir uns setzen, wenn wir ein festes Ergebnis erzielen wollen, lähmt uns. Dagegen hilft ein System, das auf den Prozess, also das Tun, fokussiert und nicht auf das (perfekte) Ergebnis. Das Tun sollte möglichst einfach sein – zum Beispiel: „Ich setze mich hin und tippe“ (nicht: „Ich schreibe einen Blogbeitrag, in dem alles zum Thema x steht“) oder „Ich übe eine Stunde lang Klavier“. Wenn du dich auf das Tun konzentrierst und nicht ständig das perfekte Ergebnis im Hinterkopf hast, dann kannst du die Aktivität genießen – und du wirst auch immer besser in dem, was du tust.

Wie lange am Stück?

Beim Schreiben funktionieren für die meisten Menschen Zeiteinheiten zwischen 30 Minuten und 2 x 60 Minuten gut. Spätestens nach 90 (besser nach 60) Minuten ist eine Pause sinnvoll – Pause heißt: Weg vom Computer, etwas Bewegung und frische Luft.

Sich wie Manuela vorzunehmen, über Wochen immer ein ganzes Wochenende zum Schreiben zu nutzen, ist in den seltensten Fällen eine gute Idee. Die Vorstellung, in einer fokussierten Hauruck-Aktion ganz viel zu schaffen, ist verführerisch. Manche haben auf diese Weise während des Studiums in wenigen Tagen längere Arbeiten geschrieben – oder haben von anderen gehört, die das geschafft haben.

Über einen längeren Zeitraum, also Wochen oder Monate, ist das aber nicht nur ungesund und geht zulasten der sozialen Beziehungen und hat das Potenzial für ganz viel Frust.

Denn der selbstgemachte Druck und die Gefahr des Scheiterns sind extrem hoch. Was, wenn ich mir vornehme, das ganze Wochenende durchzuschreiben, es am Samstagmorgen aber erst einmal zäh losgeht? Wenn ich die erste Stunde nichts zustande bringe und mittags vielleicht eine Seite geschafft habe (von 4 Seiten, die ich mir vorgenommen hatte). Dann steigt der Druck, „jetzt aber wirklich Gas zu geben“. Samstagabend ist schon klar, dass das Ziel nicht mehr zu erreichen ist …

Ich empfehle daher, lieber öfter und vor allem regelmäßig kürzere Etappen einzulegen statt eines Marathons. Also lieber jeden Tag oder jeden zweiten Tag ein oder zwei Stunden, wenn du neben einem Voll- oder Teilzeit-Job an einem längeren Schreibprojekt wie einem Buch schreibst. Durch die Regelmäßigkeit bekommst du mehr Übung, das Schreiben wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit, du musst dich nicht jedes Mal wieder neu dazu aufraffen. Und es macht auch wenig, wenn es mal an einem Tag nicht so gut läuft.

Wie lange auch immer die für dich passenden Zeiteinheiten sind: Entscheidend ist, sich nicht mit dem Ziel ans Schreiben zu setzen, eine bestimmte Anzahl Wörter oder Seiten zu schaffen. Fokussiere dich lieber darauf, während der reservierten Zeit nichts anderes zu tun als zu schreiben (oder, wenn du nicht schreibst, einfach da zu sitzen).

Fokus auf den Prozess auch bei anderen Tätigkeiten

Das Prinzip, sich auf das Tun zu fokussieren statt auf das Ergebnis, funktioniert natürlich auch in vielen anderen Bereichen. Ob es darum geht, Sport zu machen, mit einem Musikinstrument zu üben oder eine andere künstlerische Tätigkeit auszuüben. Statt „heute spiele ich die Sonate x perfekt“ könnte das Ziel sein: „heute spiele ich die Sonate dreimal durch“.

Bildquelle

Das Titelfoto stammt von Jake Hills (via Unsplash).