Wie ein 2-Minuten-Ritual hilft, mit dem Schreiben zu beginnen

Das 2-Minuten-Ritual hilft mir, von der ersten Minute an hochkonzentriert und zielgerichtet mit dem Schreiben loszulegen.

Wenn ich ohne das Ritual mit dem Schreiben beginne, brauche ich länger, um in den Flow zu kommen. Oft fällt mir noch dieses oder jenes ein, das ich erledigen sollte, bevor ich dann tatsächlich mit dem Schreiben anfange. Oder meine Gedanken schweifen ab, während ich schreibe.

Das Ritual funktioniert natürlich auch, wenn es nicht ums Schreiben geht, sondern um eine andere Tätigkeit, die Konzentration verlangt, wie Buchhaltung, Telefonate, ein Seminar etc.

Mein Ritual besteht aus drei Schritten:

Schritt 1: Den Kopf frei bekommen mit der 1-Minute-Meditation

Ich habe Jahre lang versucht, mit dem Meditieren anzufangen, weil ich nach wie vor denke, dass mir das gut täte. Aber 30 Minuten oder auch nur 10 in Stille zu sitzen, macht mich eher unruhig. Und dass sich da dauernd das Gedankenkarussell dreht, frustiert mich. Und mich vor der Arbeit erst mal 10 oder 30 Minuten hin zu setzen und „nichts zu tun“, während die Arbeit wartet, fällt mir bis heute schwer.

Zum Glück bin ich vor einiger Zeit auf ein witziges Video gestoßen, das die 1-Minute-Meditation vorstellt. Und da hat es bei mir Klick gemacht, denn nach der einen Minute Meditation, die ich während des Videos gemacht habe, fühlte ich mich klar und erfrischt und war gut gelaunt.

Ja, und seither mache ich zu Beginn des Arbeitstages und nach der Mittagspause die 1-Minute-Meditation (plus den 2. Teil meines Rituals) und bin seither sowohl produktiver als auch zufriedener. Die Kurzmeditation mache ich direkt an meinem Schreibtisch – wie genau sie funktioniert, erläutert das Video am Ende dieses Beitrags.

Diese kurze Meditation hilft mir nicht nur, das Gedankenkarussell zu stoppen. Hinterher fühle ich mich geistig wacher und klarer.

Sie ist auch sehr hilfreich, um nach einer Unterbrechung – Telefon, Postbote, oder … – schnell wieder in den Flow zu kommen.

Ergänzung: Heute, 2 Jahre später, fällt mir auch längeres Meditieren nicht mehr schwer. Manchmal nehme ich mir heute sogar 10-15 Minuten Zeit für eine Meditaiton, bevor ich am Morgen mit dem Arbeiten beginne. Wenn’s schneller gehen soll, reicht mir allerdings die 1-Minuten-Meditation plus Schritt 2 und 3.

Schritt 2: Auf das Warum fokussieren

Im zweiten Schritt geht es darum, dem was ich gleich tun werde, eine Richtung, ein Ziel und, ja, auch einen Sinn zu geben.

Nach der Meditation schaue ich auf meiner Aufgabenliste für den Tag, was jetzt ansteht. Und dann stelle ich mir zwei Fragen:

1. Warum setze ich mich jetzt an diese Aufgabe?

2. Und wie trägt diese Aufgabe dazu bei, mich meinen Langfristzielen einen Schritt näher zu bringen?

Bei der Frage nach dem Warum geht es mir darum, einen guten Grund zu finden. „Weil’s halt erledigt werden muss; weil ich den Auftrag sonst verliere; weil mir das Finanzamt sonst auf die Füße tritt…“ – das sind für mich keine guten Gründe. Ein guter Grund, mich beispielsweise an die Buchhaltung zu setzen, obwohl ich viel lieber schreiben würde, ist für mich: Klarheit über meine finanzielle Lage zu bekommen. Gute Gründe, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben, sind für mich zum Beispiel: mich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und Klarheit darüber zu bekommen; Know-how weitergeben; das Google-Ranking erhöhen; neue Leser gewinnen.

Die Antwort auf Frage 2 stellt das, was ich gleich tun werde, in einen größeren Rahmen. Damit gewinnt es eine höhere Wertigkeit, es bekommt Sinn, denn es bringt mich langfristig weiter. So bringt mich zum Beispiel jeder Blogbeitrag dem Ziel näher, den „Geschäftsbereich“ Schreibcoaching auszubauen.

Damit ich nach der Kurzmeditation nicht erst die Aufgabenliste durchgehen muss, um zu schauen, womit ich anfange, kläre ich diese Frage normalerweise am Ende des vorherigen Arbeitstages.

Schritt 3: Bewusst entscheiden

Und dann entscheide ich mich ganz bewusst dafür, das zu tun, was jetzt ansteht.

Noch eine Ergänzung: In früheren Fassungen dieses Beitrags hatte ich diesen Schritt nicht explizit aufgeführt. In Gesprächen mit Klienten ist mir aufgefallen, dass diese Entscheidung für mich selbstverständlich ist, für einige meiner Klienten aber offenbar nicht.

Mehr zur 1-Minute-Meditation

Das Video, das ich Ihnen gleich vorstelle, wirbt für das Buch „One Moment Meditation – Stille in einer hektischen Welt“ von Martin Boroson. Boroson sagt, dass man mit etwas Übung selbst in einem Augenblick „meditieren“ und damit sofort klarer und wacher werden kann. Die 1-Minute-Meditation ist für ihn der Einstieg, er stellt in dem Buch noch weitere Kurzmeditationen vor.

Im Grunde reicht aber das, was er in dem Video zeigt, vollkommen aus. Sie brauchen nicht notwendigerweise das Buch, um die 1-Minute-Meditation zu lernen.

Eine Minute meditieren – probieren Sie es doch gleich mal aus. Jetzt.

Es gibt übrigens eine kostenlose App „One Moment Meditation“ für das iPhone und iPad und für Android-Geräte (im App Store bzw. Google Play). Der normale Timer auf dem Smartphone tut es aber genauso.

(Ursprünglich veröffentlicht am 14. Juni 2016)

Wie Isaak Newton beim Schreiben hilft

Isaac Newton? Der aus dem Physikunterricht? Was hat der mit Schreiben zu tun?

Ja, genau: Sir Isaac Newton, der britische Naturwissenschaftler. Er hat unter anderem die newtonschen Bewegungsgesetze formuliert. Und das erste davon hat sehr viel damit zu tun, wie man ins Schreiben kommt und wie man dran bleibt.

Dieses Gesetz, das auch als Trägheitsprinzip oder -gesetz bekannt ist, lautet:

„Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.“

Anders ausgedrückt: Objekte, die in Bewegung sind, neigen dazu, in Bewegung zu bleiben; und Objekte, die im Ruhezustand sind, neigen dazu, in diesem Zustand zu bleiben.

Was hat das mit dem Schreiben zu tun?

Sie kennen das sicher: Wenn Sie etwas tun, und es läuft gut – dann läuft es. Dann kostet es nicht viel Energie, dran zu bleiben. Dann schreiben Sie Satz um Satz, bis Sie fertig sind (oder unterbrochen werden).

Und umgekehrt: Wenn Sie erst einmal feststecken und auf den leeren Bildschirm oder das leere Blatt starren, dann ist es sehr schwierig, wieder ins Schreiben zu kommen. Und mit jeder Minute wird es schwerer.

Der Trick: Kommen Sie in Bewegung

Der Trick ist: Anfangen. Denn wenn Sie erst einmal angefangen haben, sind Sie in Bewegung. Um dann weiter dran zu bleiben und weiter zu schreiben, ist nicht mehr viel Energie notwendig – siehe Newtons 1. Gesetz.

Und damit das Anfangen leichter fällt, empfehle ich: Legen Sie die Hürde so niedrig wie möglich. Fangen Sie mit etwas an, das Sie in weniger als zwei Minuten schaffen. Zwei Minuten – die Hürde ist so niedrig, dass man praktisch darüber stolpert. Es kostet fast keine Energie, etwas zu tun, was nur zwei Minuten beansprucht.

Was könnte das sein?

  • Wenn noch gar nichts auf dem Bildschirm oder Papier steht: Schreiben Sie einen beliebigen Satz, der mit dem Thema zu tun hat. Suchen Sie nicht nach dem perfekten Anfang – das blockiert Sie nur. Nehmen Sie einen Satz mitten aus dem Text. Oder vielleicht auch die Zusammenfassung.
  • Wenn Sie schon etwas geschrieben haben: Schreiben Sie einen Satz, der direkt anschließt. Der muss nicht perfekt sein – überarbeiten können Sie ihn später. Oder machen Sie einige Leerzeilen und schreiben Sie einen Satz, der an eine andere Stelle gehört.
  • Und wenn Ihnen gar nichts zum dem Text einfallen will, an dem Sie gerade schreiben wollen, dann schreiben Sie: „Ich probiere das mit dem Newton-Gesetz mal aus: Ich schreibe einen Satz.“

Und dann schreiben Sie gleich den nächsten. Ohne groß nachzudenken. Und dann den nächsten. Die müssen auch nicht zwingend logisch aufeinander aufbauen.

Hauptsache: Sie schreiben. Sie sind in Bewegung. Sie bleiben in Bewegung.

Korrigieren, ergänzen, umstellen – das können Sie später immer noch tun. Bleiben Sie in Bewegung, schreiben Sie.

Und falls Sie später wieder hängen bleiben: Fangen Sie mit dem nächsten „nur einen Satz“ an.

Viel Erfolg beim In-Bewegung-bleiben.

 

Das Titelbild ist ein Gemälde von William Blake, das Isaak Newton als „göttlichen Geometer“ zeigt. Das Bild ist von 1795 und wird heute in der Tate Collection ausgestellt.

Besser kürzer, dafür öfter

„Ich brauch einfach mal ein Wochenende/eine Woche am Stück, dann schreibe ich meine neuen Webtexte/das nächste Romankapitel. Im Tagesgeschäft hab ich einfach zu viel zu tun.“ Das höre ich öfter von Coaching-Klienten oder Teilnehmern an Schreibseminaren. Das Problem: Wenn sie es dann mal wahr machen und sich ein Wochenende oder gleich eine ganze Woche für das Schreiben frei schaufeln, ist der Effekt meist minimal. Sie haben die Zeit letztlich doch nicht für das Schreiben genutzt. Oder nur einen Bruchteil der Zeit. Und sind hinterher heftig gefrustet.

Das ging mir einige Zeit auch nicht anders.

Meine Erfahrung heute: Solche Hauruck-Aktionen funktionieren nicht. Egal ob es sich um ein kurzes Projekt wie einen Fachartikel handelt oder um ein Kapitel in einem Sachbuch oder die Texte für die neue Website.

Weitaus produktiver ist es, lieber öfter kleinere Teilaufgaben anzupacken, anstatt zu versuchen, die komplette Aufgabe in einem Gewaltakt abzuarbeiten. Das ist wie beim Lernen: Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass wir dann am wirkungsvollsten lernen, wenn wir etwas immer wieder tun – selbst wenn es jeweils nur für kurze Zeit ist.

 So klappt es

Wenn Sie öfter für kurze Zeit an einer Aufgabe arbeiten, beschäftigt sich Ihr Gehirn auch in den Pausen dazwischen damit. Es kann so Verbindungen knüpfen und gewinnt neue Erkenntnisse.

Sicher kennen Sie das: Wenn Sie am Abend eine Aufgabe noch nicht abgeschlossen haben und sich am nächsten Morgen wieder daran setzen, sind Sie oft schon ein, zwei Schritte weiter. Oft haben Sie über Nacht schon die Lösung für ein kniffliges Problem gefunden. Obwohl Sie sich in der Nacht nicht bewusst damit beschäftigt haben.

Und selbst, wenn Sie nicht im Schlaf eine Lösung gefunden haben: Oft wirkt ein Problem, das am Tag vorher noch unlösbar schien, am nächsten Morgen nicht mehr so riesig oder unüberwindbar.

Hinzu kommt noch ein zweiter Effekt: Umfangreiche Projekte wie das Schreiben eines Buchs oder der Texte für die eigene Website erscheinen uns oft so, als wären sie nicht zu bewältigen. Das führt dann oft dazu, dass wir die Aufgabe immer weiter aufschieben, bis es nicht mehr anders geht. Wenn Sie das Riesenprojekt dagegen in kleine Schritte aufteilen und sich eine Teilaufgabe nach der anderen vornehmen, haben Sie sehr schnell Erfolgserlebnisse und kommen schneller voran.

Deshalb mein Rat: Teilen Sie große Projekte lieber in kleinere Schritte auf und arbeiten Sie öfter an solchen kleinen Häppchen, statt zu versuchen, das Projekt in einer Hauruck-Aktion „wegzuschaffen“

 

Das Titelfoto stammt von Pixabay-User Brownie Hsu.

 

Für wen schreiben Sie?

Für wen schreiben Sie, wenn Sie ein Angebot schreiben, Texte für Ihre Website, einen Flyer oder etwas anderes?

Dumme Frage. Ist doch völlig klar.

Wirklich?

 Wer fühlt sich angesprochen?

Wenn ich mir die Websites von vielen Selbstständigen anschaue, dann frage ich mich oft, ob ihnen wirklich klar war, für wen sie da geschrieben haben. Viele Webseiten von Coaches zum Beispiel lesen sich, als wären sie nicht für künftige Klienten verfasst, sondern für andere Coaches. Da steht seitenweise etwas über die Philosophie des Coaches, über die vielen, vielen Aus- und Fortbildungen mit ganz tollen Fachbegriffen.

Nur: Potenzielle Klienten interessiert das – zumeist – gar nicht. Die wollen wissen: Versteht der mich? Weiß sie, wo mich der Schuh drückt? Kann sie mir helfen? Ist er mir sympathisch?

Machen Sie doch mal die Probe aufs Exempel und lesen Sie Ihre Webseiten, Ihre Seminarausschreibungen, Flyer, Angebote etc. noch einmal durch. Und nehmen Sie dabei eine andere Perspektive ein als gewohnt. Schauen Sie auf die Texte also nicht als Autor*in, sondern als jemand, dem diese Texte etwas verkaufen wollen.

Würden Sie sich angesprochen fühlen? Wirklich?

 So fällt das Schreiben leichter

Die Frage „Für wen schreibe ich?“ ist noch aus einem zweiten Grund von Bedeutung: Wie professionell Schreibende, etwa Journalist*innen, wissen, fällt uns das Schreiben erheblich leichter, wenn wir wissen, für wen wir schreiben. Das ist wesentlich einfacher, als so ins Blaue hinein zu formulieren.

Probieren Sie es doch einmal aus: Stellen Sie sich beim nächsten Mal, wenn Sie etwas schreiben, ganz konkret ein, zwei Personen vor, die Sie ansprechen wollen. Am besten jemand, den Sie persönlich kennen. Und schreiben Sie für diese Personen.

Mir persönlich hilft das beim Verfassen von Texten ungemein. Und wenn ich mal vergesse, mir einen konkreten Leser oder eine Leserin vorzustellen, merke ich es spätestens dann, wenn ich mitten drinnen hänge bleibe – und mich frage: „Für wen mach ich das eigentlich?“

Deshalb noch einmal die Frage: Für wen schreiben Sie?

 

Das Titelfoto stammt von Pixabay-User Mabel Amber.

 

Hochstapler-Phänomen: Wenn keiner merken darf, dass Sie Fehler machen

Die amerikanische Schriftstellerin und Dichterin Maya Angelou (1928 bis 2014) soll einmal gesagt haben: „Ich habe elf Bücher geschrieben. Aber jedes Mal denke ich ‘Ohoh, jetzt werden sie’s rausfinden. Ich habe sie alle getäuscht, und sie werden mir auf die Schliche kommen.’“

Ein klassischer Fall von Hochstapler-Phänomen (oder Hochstapler-Syndrom – mehr zu den Begriffen am Ende des Beitrags).

Sehr häufig schätzen Menschen, die sich für Hochstapler halten, ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen falsch ein. Sie denken, dass ihre Erfolge nur aus Zufall oder Glück oder durch Fleiß oder Manipulation zustande gekommen sind. Zusätzlich haben sie ständig Angst, jemand könnte bemerken, dass sie allen nur etwas vorgemacht haben und gar nicht so intelligent oder begabt sind. Kurz: Es könnte herauskommen, dass sie im Grunde Hochstapler, Betrüger oder Blender sind. Ihre Angst ist es, aufzufliegen und wie der Kaiser im Märchen ohne Kleider da zu stehen.

Woran erkennt man das Hochstapler-Phänomen? Betroffene zeigen eins oder mehrere der folgenden Symptome:

  • Die Betroffenen versuchen, durch übermäßiges Arbeiten sicherzustellen, dass sie nichts übersehen und keine Fehler machen. Sie wollen unter allen Umständen vermeiden, Grund zu Kritik zu liefern.
  • Oder sie zeigen Aufschiebeverhalten: Sie schieben den Zeitpunkt immer weiter hinaus, ab dem andere erkennen könnten, dass sie Hochstapler sind.
  • Sie kämpfen ständig mit der Angst davor, mit anderen verglichen zu werden.
  • Sie vertrauen ihren eigenen Fähigkeiten nicht. Ebenso wenig trauen sie positiven Rückmeldungen.
  • Sie gestehen sich selten das Recht zu, Fertigkeiten erst erlernen zu müssen. Sie glauben, sie müssten diese Fertigkeiten schon besitzen.
  • Sie sind sehr vorsichtig und gehen keine Risiken ein. Sie halten sich bewusst im Hintergrund und werden nur in Situationen sichtbar, in denen sie sicher sind, erfolgreich zu sein.

All das, obwohl in den allermeisten Fällen harte Arbeit, Können, Kreativität und Mut hinter dem stecken, was sie geleistet oder geschaffen.

Wie mit dem Hochstapler-Phänomen umgehen?

  • Eins der wirksamsten Mittel ist genau das, wovor sich vermeintliche Hochstapler am meisten fürchten: Darüber sprechen. Das heißt nicht, dass Sie Ihre Angst öffentlich machen müssen, wie das der Schauspieler Tom Hanks und die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg getan haben (beide haben in Interviews eingeräumt, unter dem Hochstapler-Phänomen zu leiden). Es reicht völlig, wenn Sie Ihre Angst ein, zwei Personen anvertrauen, die Ihnen wohlgesonnen sind (mehr dazu in den Übungen weiter unten).
  • Hilfreich ist auch, sich vor Augen zu halten, dass das Phänomen nicht dauerhaft ist und dass es situationsbezogen ist. Typischerweise kommt die damit verbundene Angst dann hoch, wenn man etwas besonders Schwieriges oder Bedeutendes tut, wenn es um etwas Wichtiges geht. Das heißt: Sie beschäftigen sich gerade mit einer herausfordernden Aufgabe – da ist es ganz normal, Angst zu haben, die Aufgabe nicht meistern zu können. Das heißt aber auch: Sie sind gerade an etwas dran, das persönliches Wachstum und Weiterentwicklung verspricht.
  • Halten Sie sich immer wieder vor Augen, dass Ihre Gedanken, nicht zu genügen, genau das sind: einfach nur Gedanken, mehr nicht.
  • Statt sich mit anderen zu vergleichen oder sich mit einem (oft nicht erreichbaren) Ideal zu messen: Fokussieren Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, welchen positiven Anteil Sie am Gelingen haben. Wahrscheinlich sehen Sie sehr genau, wo Sie Fehler machen und nicht genügen – konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit stattdessen darauf, was Sie gut gemacht haben, was Sie können, wo Sie sich angestrengt haben, wo Sie etwas gelernt haben.
  • Umgeben Sie sich mit Menschen, die Sie unterstützen und die die positiven Seiten in Ihnen sehen und schätzen.

Das Anti-Hochstapler-Training

Und jetzt wird es ganz konkret. Sprich: Tun Sie es. Entweder sofort oder in einer konkreten Situation, wenn die Angst, als Hochstapler entlarvt zu werden, hochkommt.

1. Darüber sprechen

Suche Sie sich eine Person, der Sie vertrauen und von der Sie wissen, dass sie Ihnen wohlgesonnen ist. Und teile Sie sich ihr mit: Vertrauen Sie ihr Ihre Ängste an. Bevor Sie Dich ganz verletzlich zeigen, sagen Sie der Person, dass sie am meisten hilft, wenn sie einfach nur zuhört und da ist. Sie soll nicht versuchen, Sie zu trösten oder zu sagen „ist doch nicht so schlimm“ oder „das stimmt doch gar nicht“. Einfach nur zuhören, mitfühlend zuhören (nicht mitleidig) – das ist das Beste, was sie tun kann.

2. Schreibübung: nur Gedanken

Das Hochstapler-Phänomen kann in schwierigen Situationen zu einer negativen Gedankenschleife führen. Hier ist es wichtig, aus der Schleife auszusteigen: Machen Sie sich bewusst, dass Gedanken wie „hoffentlich merkt keiner, dass ich nichts auf dem Kasten habe“ einfach nur Gedanken sind, mehr nicht. Nehmen Sie diese Gedanken wahr, und notieren Sie sie auf einem Blatt Papier. Lesen Sie die Notizen noch einmal durch, und schreiben Sie fett oder in roter Schrift darunter oder darüber „Das sind nur Gedanken“.

3. Die zweite Schreibübung: Fokus auf das Positive

Dazu empfehle ich zwei Dinge:

  • Nehmen Sie sich einen Zettel, und notieren Sie alles, was Sie in den letzten zwei Jahren geleistet haben. Schreiben Sie auch all die Kleinigkeiten auf, die gut gelaufen sind. Ergänzen Sie diese Liste alle drei Monate.
  • Falls die Hochstapler-Gedanken in einer konkreten Arbeits- oder privaten Situation aufkommen: Nehmen Sie sich einen Zettel, und schreiben Sie detailliert auf, was Ihr Anteil am Gelingen ist. Was Sie gut gemacht haben, wo Sie etwas gelernt haben. Es geht nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen oder zu schauen, wie weit Sie von vermeintlicher Perfektion entfernt sind.

Das Aufschreiben hat den Vorteil: Sie haben Ihre Erfolge und positiven Seiten schwarz auf weiß vor Dir (nicht nur als flüchtige Gedanken im Kopf, die man leicht wegwischen kann). Dadurch fällt es Ihnen leichter, die positiven Dinge realistisch zu bewerten.

Außerdem können Sie die Liste später wieder hervorholen, um sich an Ihre Leistungen zu erinnern, wenn Sie mal in schlechter Stimmung sind.

4. Unterstützer suchen

Stellen Sie eine Liste mit Menschen zusammen, die Sie unterstützen und ermutigen. Versuchen Sie, pro Woche Zeit mit mindestens einer dieser Personen zu verbringen.

Hochstapler-Syndrom oder Hochstapler-Phänomen?

Den Begriff „Impostor Syndrome“ (Hochstapler-Syndrom) prägten 1978 die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes. Sie hatten beobachtet, dass viele beruflich erfolgreiche Frauen glaubten, ihre Intelligenz und ihre Leistungen würden von anderen überschätzt. Lange dachte man, dass Männer für dieses Phänomen nicht (so) anfällig wären, das hat sich aber als Irrtum herausgestellt. Einer Studie von 1990 zufolge zeigt sich das Phänomen bei Frauen in Form von Vorsicht und Zurückhaltung, bei Männern dagegen in Form von hektischer Aktivität – Männer versuchen offenbar, ihre Kompetenz durch Aktivität zu beweisen.

Clance nahm später den Begriff „Syndrom“ zurück. Ein Syndrom ist eine Kombination aus verschiedenen Krankheitssymptomen. Und genau das ist das Hochstapler-Phänomen nicht. Es ist keine mentale Störung oder Krankheit, und es ist auch ein unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal, wie man anfangs dachte – das heißt: Das Phänomen kann auch wieder verschwinden. Tatsächlich fühlen sich amerikanischen Studien zufolge 70 Prozent aller Menschen unter bestimmten Umständen als Hochstapler.

Hinweis: Dieser Beitrag stammt aus Lektion 4 meines E-Books „GUT GENUG: Von Perfektionismus befreien und entspannter leben“.

Das Titelfoto stammt von Pixabay-Nutzer Paul_Henri. Die anderen Fotos stammen von den Pixabay-Nutzern pasja1000 und Free-Photos.

Kaizen statt Perfektion

Kaizen ist das aus Japan stammende Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung in kleinen Schritten. Hier steht das Streben nach schrittweiser Verbesserung im Mittelpunkt – Perfektion ist hier die Kompassnadel, nicht das (ohnehin nicht erreichbare) Ziel.

Das finde ich attraktiv, denn so habe ich bei jedem Schritt ein Erfolgserlebnis und lerne dazu. Außerdem muss ich nicht während des ganzen Feilens im stillen Kämmerlein fürchten, dass ich doch etwas übersehen habe und mir das am Ende des Projekts als Riesenklotz auf die Füße fällt.

Mehr dazu in meinem Beitrag zu Perfektionismus auf MyMonk.de.

Der eine entscheidende Fehler, der unweigerlich zur Schreibblockade führt

Eine Schreibblockade kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie entsteht, wenn man zwei Schritte des Schreibprozesses nicht klar trennt.

„Zeig her deine Blogschätzchen“ – unter diesem Motto steht die Advents-Blogparade 2018 von Heide Liebmann, an der ich mit diesem Beitrag teilnehme.

Der wahrscheinlich häufigste Grund für eine Schreibblockade

Als ich anfing, Geld mit Schreiben zu verdienen, war mir das nicht klar: Am schnellsten manövriert man sich in eine Schreibblockade, wenn man die beiden Schritte „Rohfassung schreiben“ und „Überarbeiten“ nicht klar trennt.

Ein klassisches Beispiel: Beim Schreiben einer Erzählung kam ich bei jeder Sitzung immer nur zwei, drei Sätze weiter. Kaum standen zwei Sätze auf dem Bildschirm, fing ich schon an, sie umzuschreiben. Ich löschte Wörter, fügte welche ein, stellte etwas um, machte das wieder rückgängig … Und nach einer Stunde war ich nur unwesentlich weiter gekommen. Das Schreiben wurde immer zäher und frustrierender. Es kostete mich richtig Überwindung, den nächsten Anlauf zu unternehmen.

Der Lektor, der zu der Zeit mein erstes Fachbuch betreute, machte mir dann klar, wo der Grund für meine Schreibblockade lag: Ich hatte zugelassen, dass sich beim kreativen Prozess des Schreibens ständig der innere Kritiker einmischte. Dass dem kreativen inneren Anteil dann die Lust verging, wundert mich heute nicht mehr.

Verhindern lässt sich das, wenn man begreift, dass das Schreiben und das Überarbeiten zwei unterschiedliche Tätigkeiten sind, für die man unterschiedliche Fähigkeiten braucht. Und wenn man diese Tätigkeiten zeitlich und – idealerweise – auch räumlich trennt. Sonst kommt es unweigerlich zur Schreibblockade.

Die kreative Phase: die Rohfassung schreiben

Die Fähigkeiten des Kritikers sind beim Schreiben der Rohfassung (=1. Entwurf) hinderlich. Bei der Rohfassung geht es darum, schnell und ohne viel Nachdenken etwas auf den Bildschirm oder das Papier zu bringen. Dabei ist es wichtig, in einen Schreibfluss zu kommen und in diesem Flow zu bleiben.

Alles, was den Schreibfluss unterbricht, ist in dieser kreativen Phase des Schreibprozesses Gift: „Nur mal schnell“ im Web nachlesen, ob das gerade Geschriebene überhaupt stimmt; eine Zahl oder einen Namen nachschlagen; darüber nachdenken, ob ein bestimmtes Argument überhaupt stichhaltig ist – all das bringt Sie aus dem Flow, und es ist dann schwer, wieder in den Flow zu kommen.

Vor allem fühlt sich bei solchen Tätigkeiten sehr schnell der innere Kritiker angesprochen (recherchieren, kritisch prüfen – das kann er gut). Den Kritiker können Sie im kreativen Prozess des Schreibens jedoch nicht brauchen. Das beste Mittel, im schöpferischen Flow zu bleiben: Markieren Sie die Stelle, an der Sie später – beim Überarbeiten – noch etwas ergänzen, nachschlagen oder überprüfen wollen, und schreiben Sie sofort weiter. Nehmen Sie zum Markieren Sonderzeichen, die im Text sonst nicht vorkommen – so können Sie später mit der Suchfunktion danach suchen. Ich nehme dazu ### und eine kurze Anmerkung, beispielsweise:

###überprüfen### oder
###überzeugt mich noch nicht###

Beim Schreiben der Rohfassung geht es um Quantität: Sie müssen erst einmal etwas auf den Bildschirm bringen. Sonst haben Sie in der Phase des Überarbeitens nichts, was Sie später überarbeiten könnten.

Was beim Schreiben der Rohfassung gefragt ist:

  • Kreativität, Schaffenskraft und Schaffensfreude: In dieser Phase dürfen Sie Ihre Fantasie von der Leine lassen. Schreiben Sie, ohne viel nachzudenken und ohne sich zu zensieren.
  • Schnelligkeit: Schreiben Sie schnell. Halten Sie sich nicht damit auf, Tippfehler zu korrigieren oder Wörter oder Sätze umzustellen. Schreiben Sie einfach weiter – geben Sie dem inneren Kritiker keine Gelegenheit einzuhaken.
  • Fokus: Sorgen Sie dafür, dass es keine Störungen von außen gibt. Tür zu, Anrufbeantworter einschalten, Internetverbindung trennen. Schreiben Sie los, und lassen Sie sich von nichts unterbrechen (auch nicht von einer inneren kritischen Stimme).
  • Produktivität: Wie schon gesagt, beim Schreiben der Rohfassung kommt es auf Masse an. Kürzen können Sie beim Überarbeiten. Ihr innerer Kritiker wird sich freuen, wenn er was zu tun bekommt.

Wichtig: Die Rohfassung bekommen normalerweise nur Sie zu sehen. Halten Sie sich das vor Augen, wenn sich der innere Kritiker beim Schreiben der Rohfassung meldet.

Die analytische Phase: den Text überarbeiten

Die Phase des Überarbeitens besteht aus mindestens einem Überarbeitungsdurchgang, üblicherweise aus mehreren. Bevor Sie damit anfangen, empfiehlt es sich allerdings, den Text erst einmal ein, zwei Tage liegen zu lassen und sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen.

Überarbeiten in mehreren Durchgängen

Ich empfehle mindestens 3 Durchgänge:

1. Gehen Sie den Text inhaltlich durch: Wo fehlen noch Infos/Details, wo wollten Sie noch etwas recherchieren? Wo waren Sie beim Schreiben unsicher? Recherchieren Sie, ergänzen und korrigieren Sie den Rohtext.

2. Dann lesen Sie die bearbeitete Rohfassung nochmals durch und achten darauf: Ist der Text logisch aufgebaut? Fehlt etwas? Haben Sie etwas geschrieben, was nicht (mehr) in den Text passt? Ist es sinnvoll, Abschnitte umzustellen? Bauen Sie den Text um, wenn nötig.

3. Wenn Sie größere Umbauarbeiten durchgeführt haben, gehen Sie den kompletten Text noch einmal durch. Prüfen Sie, ob die Abfolge (nach wie vor) schlüssig ist und ob alle Informationen vorhanden sind, die der Leser zum Verständnis braucht. Das ist vor allem dann notwendig, wenn Sie Abschnitte, vielleicht sogar Kapitel umgestellt oder Abschnitte gelöscht haben.

Die Korrekturphase kommt später – Phase 5 des Schreibprozesses: der Feinschliff.

Während Überarbeitungsphase zeigen Sie den Text auch schon Kollegen, Freunden oder auch jemandem aus der Zielgruppe, die Sie ansprechen wollen. Fragen Sie nach Feedback zum Inhalt und (wenn Sie den Text schon sprachlich überarbeitet haben) auch zur Sprache.

Tipp: Überarbeitungszeit begrenzen

Gerade das Überarbeiten könnte man endlos ausdehnen – bis der Text „wirklich perfekt“ ist. Nur: Wirklich perfekt wird so gut wie kein Text. Setzen Sie sich daher ein zeitliches Limit. Eine Faustregel lautet: Die Phasen 3 und 4 im Schreibprozess (Rohfassung bzw. Überarbeitung) dauern in etwa gleich lang.

So vermeiden Sie eine Schreibblockade

Wie schon gesagt: Trennen Sie die beiden Tätigkeiten – das kreative Schreiben und das analytische Überarbeiten – so gut wie möglich. Und zwar zeitlich und, soweit möglich, auch räumlich.

Zeitliche Trennung der Phasen

Wenn Sie Ihre Schreibzeiten planen, dann tragen Sie in den Kalender klar ein, ob Sie die Rohfassung schreiben oder ob Sie Texte überarbeiten. Und halten Sie sich streng an diese Trennung – in jedem Fall beim kreativen Schreiben. Beim Überarbeiten besteht kaum die Gefahr, dass Sie in den kreativen Prozess rutschen und deshalb in eine Blockade geraten.

Falls es beim kreativen Schreiben passiert, dass sich der innere Kritiker meldet und nicht mehr verschwinden will: Stehen Sie auf, schaffen Sie Abstand. Bewegen Sie sich ein wenig, trinken Sie etwas. Dann führen Sie sich klar vor Augen, dass jetzt das kreative Schreiben angesagt ist und dass Sie für das Überarbeiten bereits einen Termin geplant haben.

Tipp: Schreibblockade lösen und den Kopf frei bekommen

Dieses 2-Minuten-Ritual hilft, nach der kurzen Unterbrechung konzentriert mit dem kreativen Schreiben fortzufahren.

Räumliche Trennung

Wenn das möglich ist, richten Sie sich zwei voneinander getrennte Arbeitsplätze ein: einen, an dem Sie kreativ schreiben, und einen, an dem Sie überarbeiten.

Der Kreativplatz braucht keinen Internetzugang und auch kein Telefon. Sie sollten sich dort wohl fühlen, die Gedanken sollten frei fließen können. Es darf gern auch bequem sein. Manche mögen dafür einen klar aufgeräumten Schreibtisch, auf dem nichts ablenkt; andere wollen es lieber hübsch haben; wieder andere stört es nicht, wenn Bücher, Papiere oder anderes herumliegt. Probieren Sie aus, was für Sie am besten funktioniert.

Am Platz für das Überarbeiten brauchen Sie die Verbindung nach draußen, schließlich werden Sie hier öfter Fakten überprüfen oder noch einmal recherchieren.

Hintergrundwissen: Die 5 Phasen des Schreibprozesses

In meiner Praxis hat sich ein Modell mit den folgenden 5 Phasen als am praktikabelsten herausgestellt (es gibt auch Modelle, die zwischen 3 und 7 Phasen vorsehen):

  • Phase 1: Brüten und Recherchieren
  • Phase 2: Strukturieren
  • Phase 3: Rohfassung schreiben
  • Phase 4: Überarbeiten
  • Phase 5: Feinschliff

So schön chronologisch wie im Diagramm oben folgen die Phasen in der Praxis nicht aufeinander. Gerade längere Schreibprojekte, etwa Buchprojekte, sind iterative Prozesse. Oft merkt man beim Schreiben der Rohfassung oder beim Überarbeiten der ersten Kapitel, dass die Struktur doch noch nicht so ganz passt – beispielsweise, dass man zwei Kapitel besser umstellen sollte (von der Rohfassung geht’s dann zurück zum Strukturieren) oder dass noch weitere Kapitel nötig sind (nach dem Überarbeiten geht’s zurück in die kreative Phase 3), etc.

Phase 1: Brüten und Recherchieren

In dieser Phase sammeln Sie erst einmal ungefiltert Ideen und Informationen dazu. Dieses anfängliche Sammeln von Informationen und Ideen funktioniert erst einmal nach der Hamster-Methode: Sammeln, sammeln, sammeln. Mit der Zeit kristallisieren sich Schwerpunkte heraus, die Recherchen werden zielgerichteter. Sie werden das Thema immer stärker eingrenzen.

Phase 2: Strukturieren

Sobald Sie sich einen Überblick über das Thema verschafft und das Thema für das Schreibprojekt eingegrenzt haben, geht es ans Strukturieren und an die Entscheidung „Was kommt rein, was bleibt draußen?“. Sie entwickeln einen roten Faden für den Text, die Gliederung. Die Gliederung ist ein Gerüst, das sich im Lauf des Schreibprozesses noch verändern kann. Nicht selten bemerkt man beim Strukturieren bzw. beim Schreiben, dass einzelne Ideen stärker ausgearbeitet werden sollten, dass die Reihenfolge vielleicht doch anders besser wäre, etc.

Phase 3 und 4: Rohfassung schreiben und überarbeiten

Siehe oben.

Phase 5: Feinschliff

Zuletzt bekommt der Text den Feinschliff. Nutzen Sie die Rechtschreibkorrektur Ihres Textprogramms, besser noch das Programm „Duden Korrektor“, das es separat für Microsoft Word und OpenOffice/LibreOffice gibt und das Bestandteil der Schreibprogramme Papyrus Autor und Textmaker ist. Drucken Sie den Text aus, lesen Sie ihn auf Papier, markieren Sie Formulierungen, die Sie noch ändern wollen, sowie Rechtschreibfehler. Achten Sie auch auf Wortwiederholungen. Fügen Sie die Korrekturen in die digitale Fassung des Textes ein. Bei Veröffentlichungen (Bücher, Webseiten) empfehle ich, professionelle Korrektoren hinzuzuziehen.

Hier finden Sie noch weitere empfehlenswerte Blogbeiträge aus der Advents-Blogparade 2018 von Heide Liebmann..

Das Titelfoto stammt von Pixabay-Nutzer Jason Goh (cegoh) aus Singapur. The image was shot by Pixabay user Jason Goh from Singapore.

Die übrigen Fotos stammen von den Pixabay-Nutzern annekarakash und cocoparisienne

Wie Sie der Angst vor Kritik den Schrecken nehmen

Tick-Tock ist eine meiner Lieblingsübungen für Menschen, die unter Perfektionismus oder Aufschieben leiden. Diese Methode hilft dabei, mit Zweifeln, Ängsten und Unsicherheit umzugehen. Sie stammt aus dem Buch „Thinkertoys – a handbook of business creativity“ von Michael Michalko (leider nie ins Deutsche übersetzt).

Die Angst, die Perfektionisten typischerweise haben, ist die Angst vor Fehlern. Dahinter steckt die Angst, ausgelacht oder abgelehnt zu werden. Diese Angst ist rational in den allermeisten Fällen nicht haltbar, sitzt aber dennoch tief. Mit Tick-Tock können Sie sie ans Tageslicht holen und ihr den Schrecken nehmen.

Bevor wir loslegen:

Auf den ersten Blick wirken diese Figuren wahrscheinlich seltsam und ergeben keinen Sinn. Schließlich sind Sie durch jahrelanges Lesen darauf trainiert, schwarze Buchstaben vor weißem Hintergrund zu lesen, und achten nicht auf die weißen Zwischenräume.

Wenn Sie jetzt aber den Fokus auf die weißen Zwischenräume richten, erkennen Sie sicher das Wort „THINK“. Jetzt stehen für Sie die weißen Flächen im Vordergrund, und die schwarzen sind in den Hintergrund gerückt.

Und genauso funktioniert Tick-Tock: Wie die schwarzen Figuren rücken bei Tick-Tock Ihre negativen Gedanken in den Hintergrund, die positiven Gedanken dominieren.

Tick-Tock: Sich der kreativen Angst stellen

Bei Tick-Tock gehen Sie so vor:

  1. Nehmen Sie ein Blatt Papier und ziehen Sie eine senkrechte Linie über das Blatt.
  2. Schreiben Sie über die linke Spalte „Tick“ und über die rechte „Tock“.
  3. In die linke Spalte schreiben Sie untereinander alle negativen Gedanken, die Ihnen in Bezug auf das Gebiet kommen, auf dem Sie perfekt sein wollen (oder müssen). Lassen Sie beim Aufschreiben zwischen den negativen Gedanken genug Platz. Rechnen Sie damit, dass Sie in die rechten Spalte mindestens doppelt so viel Text schreiben werden.
  4. Lesen Sie sich die Liste mit den negativen Gedanken in Ruhe durch. Lassen Sie diese Gedanken auf sich wirken. Und dann schauen Sie, was tatsächlich dahintersteckt und wie Sie Negatives übertreiben und positive Dinge ausklammern oder verzerren.
  5. Schreiben Sie nun in die rechte Spalte neben jeden negativen Gedanken einen positiven Gegen-Gedanken, gern auch mehrere.

Ein Tipp

Hilfreich können dabei zwei Dinge sein:

  • Gehen Sie innerlich zwei Schritte zurück, sodass Sie sich vor dem geistigen Auge selbst beobachten. Wie sehen Sie mit diesem Abstand die Befürchtungen? Was sagen Sie als Beobachter dazu?
  • Suchen Sie sich ein, zwei Personen, die Ihnen gegenüber wohlwollend sind. Was würden die in Bezug auf die eben notierte Befürchtung sagen?

Beispiele, wie für Tick-Tock bei Perfektionismus hilft

Tick

Tock

Das klappt doch nie, das geht garantiert in die Hosen. Und dann stehe ich saublöd da.

Mal ehrlich: Es hängt nicht mein Leben davon ab, ob x jetzt perfekt ist oder nicht. Ich weiß, dass ich gut y kann. Ich fange jetzt an und mache es so gut, wie ich kann.

Es gibt ganz viel Spielraum zwischen „perfekt“ und „völlige Pleite“.

Das ist eine so gewaltige Aufgabe. Das kriege ich nie im Leben hin.

Ich muss das nicht alles auf einmal schaffen. Wichtig ist erst einmal, dass ich anfange.

Wie isst man einen Elefanten? Einen Bissen nach dem anderen.

Ich habe keine Selbstdisziplin. Ich bin nicht in der Lage, mir die Zeit dafür freizuschaufeln und bis zum Schluss dran zu bleiben.

Naja, etwas Disziplin muss ich haben. Sonst hätte ich nie das Studium neben dem Job bei ABC geschafft.

Das Projekt ist mir so wichtig. Dafür bin ich auch bereit, für eine überschaubare Zeit täglich zwei Stunden zu investieren und dafür die Zeit bei Netflix und Facebook einzuschränken.

Ich bin der Experte für … Ich muss alles wissen und in dem Buch unterbringen.

Mit dem Anspruch wird das Buch nie fertig. Du wirst nie alles wissen können. Natürlich wird es vorkommen, dass ein Leser etwas herausgefunden hat, das Du noch nicht weißt. Dann gibt es immer noch genügend Dinge, die er von Dir lernen kann.

Weiterlesen?

Das war ein Ausschnitt aus meinem Selbstlernkurs „GUT GENUG: Von Perfektionismus befreien und entspannter leben“, der als E-Book bei MyMonk.de erschienen ist.

Das E-Book (PDF, Epub, Mobi) umfasst 195 Seiten und kostet 19,95 Euro. Eine umfangreiche Leseprobe erhalten Sie auf der Bestellseite bei MyMonk.de.

Fall aus dem Rahmen

Sie hat’s wieder getan: Nathalie Bromberger hat – nach ihren drei kleinen Büchern über die kreative Arbeit – noch ein Mutmachbuch für Kreative geschrieben und gezeichnet: „Fall aus dem Rahmen“. Sie nennt es „die Einladung zur kreativen Befreiung“.

Aus ihrer Arbeit mit kreativen Menschen und natürlich aus eigener Erfahrung weiß sie, dass vielen Kreativen der Mut und das Selbstbewusstsein fehlen, ihre Ideen in die Welt zu bringen. Schließlich haben wir schon in der Kindheit gelernt, unsere kreative Energie, unsere spinnerten Ideen, die Freude am Schaffen an die Zügel zu nehmen oder gleich ganz wegzupacken.

Und auch als Erwachsene stoßen wir ständig an das, was Nathalie „den Rahmen“ nennt: Einschränkungen von außen. Ausgesprochene und unausgesprochene Forderungen, Vorhaltungen undundund. Wer kennt nicht Sprüche wie „mach doch mal was Richtiges; sei doch nicht so empfindlich; stell Dich nicht so an; fang nicht ständig was Neues an, bleib doch mal an einer Sache dran“.

Damit vermittelt uns unser Umfeld den Eindruck, wir wären falsch, eigenartig, eigenbrötlerisch, zu chaotisch, zu verplant, zu …

Und weil wir dazugehören wollen, nicht immer anecken wollen, gemocht werden wollen, stecken wir uns selbst in ein „inneres Korsett“ (so Nathalie). Und schneiden uns so von allem ab, was uns kreativ macht.

Nathalies Buch ist ein Aufruf, den Rahmen zu sprengen. Und so unseren kreativen Kräften wieder Raum zu geben.

Das Buch schließt mit einem Manifest, in dem Nathalie einige der Killerphrasen nimmt und für Kreative in den richtigen Rahmen setzt (das Wortspiel musste sein). Ein Beispiel: „Sei verplant und folge deinem eigenen Rhythmus – nur der lässt deine Gaben klingen.“

„Fall aus dem Rahmen“ ist ein zutiefst subjektives Buch. Und gleichzeitig ein universelles, eins, das in jedem von uns etwas berührt. Und ich meine tatsächlich, in jedem. Denn jeder Mensch ist kreativ – als Erwachsene denken wir nur, wir wären es nicht, und deshalb verhalten wir uns auch so unkreativ. Wir vernachlässigen unsere Kreativität – und damit eine Kraft, die in uns steckt, und das Erfüllende, das kreatives (Er)Schaffen bringen kann.

Es ist ein tolles Buch, ein schönes Geschenk für jeden, der eine Ermunterung zum Kreativsein gebrauchen kann. Und es gehört in die Hände von Eltern, von Lehrern und von allen, die mit Kindern zu tun haben.

Das Taschenbuch kostet nur 9,99 Euro; bei der Bestellung über Nathalies Shop bei der Autorenwelt fallen keine Versandgebühren an (innerhalb Deutschlands).

Nathalie Bromberger: Fall aus dem Rahmen
Verlag: Zacken Verlag
ISBN-13: 9783946055037
Preis: 9,99 Euro

Danke an Nathalie für die Erlaubnis, Bilder aus dem Buch abbilden zu dürfen.

Die drei kleinen Bücher über die kreative Arbeit aus dem Zacken Verlag

Jeder, der in irgendeiner Weise kreativ tätig ist (oder gerne wäre), stolpert früher oder später über einige Schwierigkeiten. Typischerweise sind das

  • Zweifel an dem, was man tut; Zweifel, ob das, was man geschaffen hat, gut ist; Zweifel, ob andere das gut finden; Zweifel, ob man selbst gut genug ist;
  • Kritik von außen, gern freundlich verpackt als gute Ratschläge;
  • der Zwiespalt zwischen dem Wusch, etwas höchst Persönliches in die Welt zu bringen, und der Angst, sich damit zu zeigen;
  • und natürlich noch zig weitere Schwierigkeiten wie mangelndes Interesse „da draußen“, handwerkliche Probleme, undundund.

Den ersten drei Schwierigkeiten hat Nathalie Bromberger drei kleine, feine Bücher gewidmet, die sie gerade in Ihrem Zacken Verlag veröffentlicht hat.

Buch ist vielleicht ein bisschen viel gesagt: Es sind drei Broschüren im Format A6, die je 20 bzw. 24 Seiten umfassen. Im Set kosten sie 9,99 Euro (inkl. Versand).

In meinen Augen sind die drei kleinen Bücher ein wunderbares Geschenk für jeden, der sich an kreative Abenteuer wagt oder sich gerne wagen würde.

Das kleine Buch der kreativen Zweifel

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Zweifeln, die kreative Menschen befallen: hinderliche und hilfreiche. Oder, wie Nathalie Bromberger schreibt: ängstliche und kreative Zweifel. In dem 1. Band der Reihe gelingt es ihr, plastisch und auch unterhaltsam die Unterschiede zwischen beiden Zweifeln deutlich zu machen. Sie zeigt, wie diese Zweifel entstehen und wie man erkennt, welcher Zweifel einen gerade quält. Vor allem aber zeigt sie, wie man die kreativen Zweifel nutzt, um seine eigene Vision zu verfolgen – statt Moden hinterher zu laufen und Gefälliges, gut Verkaufbares zu produzieren.

Aus dem kleinen Buch der kreativen Zweifel.

Das kleine Buch vom Nutzen und Schaden der Kritik

In diesem Buch kommt Brombergers Witz am besten zur Geltung; es ist auch am aufwendigsten gestaltet. Hier unterscheidet sie sehr fein drei unterschiedliche Arten von Kritik: Feuilleton- und Markt-Blick-Kritik sowie Kritik, die aus dem Herzen kommt.

Aus dem kleinen Buch vom Nutzen und Schaden der Kritik.

Im letzten Teil wird das Buch zum Plädoyer, sich für seine kreativen Projekte (in dem Fall für Buchprojekte) „Herzbuch-Kritiker“ zu suchen. Denn nur deren Kritik nützt dem Schaffenden, da nur Herzbuch-Kritiker „den Geist der Geschichte erkennen und aus diesem heraus das Manuskript beurteilen,“ so die Autorin. Viel Raum widmet sie deshalb der Frage: Wie suche ich mir potenzielle Herzbuch-KritikerInnen?

Ein hilfreiches Buch für Menschen, die gerade erst anfangen, Kreatives zu schaffen, oder die – noch – von starken Zweifeln geplagt sind. Denen kann die Unterstützung durch Herzbuch-Kritiker Sicherheit geben und einen klareren Blick auf das Geschaffene.

Damit nicht geschieht, was Markt-Blick-Kritik beabsichtigt:

Nathalie Bromberger über Markt-Blick-Kritik.

Das kleine Buch vom kreativen Ersticken

Was passiert, wenn wir unserem inneren Drang, etwas zu erschaffen, keinen Raum geben? Nathalie Bromberger nennt die Folge „kreatives Ersticken“. Sie beschreibt eindringlich das innere Ringen dabei. Und sie findet einen schönen Dreh raus aus der (für die Kreativität) tödlichen Spirale. Den verrate ich hier allerdings nicht, weil der Dreh nur wirkt, wenn man der Autorin durch ihren Gedankengang gefolgt ist.

Aus dem kleinen Buch vom kreativen Ersticken.

Die drei kleinen Bücher über die kreative Arbeit

Insgesamt bekommen Sie mit den drei Bänden etwas mehr als 60 Seiten Lektüre. Nicht viel für Bücherfresser, die vorwiegend Futter für den Intellekt wollen oder Tipps und Tools suchen. Wer jedoch etwas fürs Herz sucht, Ermutigung, Trost und auch Bestätigung, ist mit den drei kleinen Büchern bestens bedient. Und als Geschenk sind sie auch hervorragend geeignet, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.

Die drei Bände sind nicht einzeln, sondern nur im Set erhältlich, entweder direkt im Onlineshop des Zacken Verlags oder im Buchhandel.

Autorin und Zeichnerin: Nathalie Bromberger
Preis: 9,99 Euro (inkl. Versandkosten)
ISBN 978-3-946055-02-0