Wie Sie Ideen weiterentwickeln

Ideen weiterentwickeln mit der Methode „Brainstorming for one“

Unser Gehirn stellt ständig Assoziationen her und verknüpft neue Informationen mit bereits bekannten. Dabei erzeugt es sowohl logische als auch „spinnerte“ Verknüpfungen; erfahrungsgemäß sind es oft die verrückten Verknüpfungen, die uns zu neuen, bisher nicht da gewesenen Lösungen bringen.

Es gibt eine ganze Reihe von Kreativitätstechniken, die dieses Phänomen nutzen, die sind aber in der Regel für mehrere Personen gedacht. Wenn Ihnen gerade niemand als Partner zum Ideen-Pingpong zur Verfügung steht, nutzen Sie doch die „Brainstorming for one“-Technik (oder „Brainstorming für eine Person“).

Brainstorming for one

Diese Methode hat Vera Birkenbihl in ihrem Buch „Stroh im Kopf“ beschrieben (seit Auflage 35 ist die Technik im Buch nicht mehr enthalten). Ich habe sie ein wenig erweitert:

1. Notieren Sie Ihre Ideen auf Karteikarten. Schreiben Sie so lange, bis Ihnen nichts mehr einfällt.

2. Mischen Sie die Karten kräftig durch und legen Sie sie auf einen Stapel.

3. Nehmen Sie sich ein großes Blatt Papier oder setzen Sie sich an den PC. Nehmen Sie nun die beiden obersten Karten vom Stapel. Lesen Sie die Ideen auf den beiden Karten und schreiben Sie dann auf, was Ihnen zur Verbindung der beiden Ideen einfällt.
Wichtig dabei: Wie beim Brainstorming in einer Gruppe wird hier nichts zensiert und nichts zurückgehalten. Egal, wie verrückt die Kombination aus den beiden Ideen auch ist.

4. Gehen Sie die Karten des Stapels nun paarweise durch und notieren Sie zu jedem Kartenpaar alle Ideen, die Ihnen zu dieser Verbindung kommen.

5. Wenn Sie wollen, mischen Sie die Karten noch einmal durch und gehen sie ein weiteres Mal paarweise durch und notieren die Ideen, die sich daraus ergeben.

6. Lesen Sie die gefundenen Ideenkombinationen durch.
Je nach Ihren Vorlieben legen Sie ein Mindmap oder ein Cluster an, in dem Sie die Ideenkombinationen anordnen.
Oder nutzen Sie eine der in diesem Beitrag beschriebenen Matrix-Varianten, um die Ideen zu bewerten und sich für einige Ideen zu entscheiden, die Sie weiterverfolgen wollen.

 

Das Foto des Farns stammt von Pixabay-Nutzer Endro Lewa, Indonesien (Nordsumatra).
Thanks for the title image go to Pixabay user Endro Lewa from Indonesia.

 

Wie Sie verständlich schreiben

Wer schreibt, will gelesen und verstanden werden – einmal abgesehen von Fällen, wo es rein ums Beeindrucken geht oder darum, „Nichteingeweihte“ auszuschließen oder bei juristischer Sprache.

Wer gelesen und verstanden werden will, tut gut daran, leicht verständlich zu schreiben.

Mit der Frage, wann ist deutsche Sprache leicht verständlich, beschäftigten sich Germanisten schon seit vielen Jahren. Wer mehr dazu wissen will: Am Ende dieses Artikels schreibe ich mehr dazu. [1]

Anfang der 1970er Jahre entwickelten die Hamburger Psychologen Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun (ja, genau, der mit den vier Seiten einer Botschaft) und Reinhard Tausch Kriterien für die Verständlichkeit von Texten. Sie orientierten sich dabei an den Ergebnissen aus der Lesbarkeitsforschung, die sie aus mehreren Untersuchungen zogen.

Verständlich schreiben nach dem Hamburger Verständlichkeitsmodell

Die Hamburger Psychologen fanden heraus, dass ihre Versuchspersonen Texte dann leicht verständlich fanden, wenn sie den folgenden Kriterien entsprachen:

  • Einfachheit
  • Gliederung und Ordnung
  • Kürze und Prägnanz
  • Anregende Zusätze

Was bedeuten diese Kriterien? Und wie setzt man sie in der Praxis um?

1. Einfachheit

Einfach geschriebene Texte zeichnen sich aus durch:

  • kurze Sätze (die Hamburger Psychologen empfehlen 9 bis 13 Wörter für Sätze, die sehr leicht verständlich sein sollen), einfache Nebensatzgebilde – keine verschachtelten Sätze oder Einschübe;
  • kurze Wörter (möglichst nicht mehr als 3 Silben);
  • dem Leser vertraute Wörter; wer Fremdwörter oder Fachbegriffe verwendet, sollte diese erklären.

Wie einfach Sie einen Text halten, hängt natürlich von der Zielgruppe ab. Ebenso vom Medium und der Situation, in der der Text gelesen wird: Menschen, die nicht schon mit dem Internet aufgewachsen sind, tun sich meist schwerer, am Bildschirm zu lesen als auf Papier.

Anmerkung: Für meinen Geschmack sind die 9 bis 13 Wörter pro Satz, die die Psychologen aus Hamburg empfehlen, zu knapp. Wenn man sich streng daran hält, produziert man eine Aneinanderreihung knapper, nüchterner Hauptsätze, was auf Dauer monoton und ermüdend ist. Ich halte mich da lieber an die Empfehlungen von Wolf Schneider und Ludwig Reiners, nach denen Sätze mit 20 bis 24 Wörtern durchaus verständlich (wenn auch nicht leicht verständlich) sind. Mein Ziel ist es, nicht „nur“ leicht verständliche Texte zu schreiben, sondern auch solche, die man gerne liest.

2. Gliederung und Ordnung

Damit Leser Schilderungen oder Erklärungen leicht folgen können, sollte der Autor die Informationen in logischer Abfolge und in verdaubaren Häppchen präsentieren. Sonst fällt es den Lesern schwer, den roten Faden zu erkennen.

Mit einer klaren Gliederung und Abfolge helfen Sie Ihrem Leser, den Text schneller zu verdauen. Dabei helfen diese Hinweise:

  • Überlegen Sie sich vor dem Schreiben eine logische Abfolge, und halten Sie sich beim Schreiben an diesen roten Faden.
  • Beschränken Sie sich auf einen Gedanken pro Satz.
  • Stellen Sie das Wesentliche an den Anfang des Textes und an den Anfang des Satzes.
  • Gliedern Sie den Text durch Absätze so, dass Zusammengehöriges in einem Absatz steht.
  • Machen Sie dem Leser deutlich, was wesentlich ist; lassen Sie Unwesentliches nach Möglichkeit weg.
  • Nutzen Sie optische Gestaltungsmittel, um dem Leser das Aufnehmen der Informationen zu erleichtern. Dabei helfen Überschriften, Aufzählungen oder auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

3. Kürze und Prägnanz

  • Was Kürze und Prägnanz anlangt, formulierten die Hamburger Psychologen zwei Extreme und empfahlen, einen Mittelweg zu suchen zwischen
  • zu knapp: gedrängt, jedes Wort ist notwendig;
  • zu weitschweifig: sehr ausführlich, viel Unwesentliches, vieles könnte man auch weglassen.

Das heißt: Beschränken Sie sich im Text auf das Wesentliche; formulieren Sie sparsam, jedoch nicht zu knapp; formulieren Sie konkret und anschaulich.

Kurz und knapp kann auch zu knapp sein.

4. Anregende Zusätze

Wenn Sie Texte streng nach den ersten drei Kriterien verfassen, können diese sehr knapp und trocken wirken. Daher empfehlen die Hamburger Psychologen, anregende Zusätze zu verwenden. Das heißt:

  • Nutzen Sie Beispiele, die dem Leser verdeutlichen, was Sie meinen. Verwenden Sie dabei nach Möglichkeit Beispiele aus der Lebenswelt des Lesers.
  • Fügen Sie Elemente wie Fragen oder Zitate ein, um den Text aufzulockern.
  • Schreiben Sie anschaulich, sodass der Leser Ihrem Text leicht folgen kann und er auch Lust hat, ihm zu folgen.
  • Schreiben Sie persönlich, und werden Sie als Autor sichtbar, soweit das sinnvoll ist.
  • Wenn möglich, fügen Sie erklärende Bilder oder Grafiken ein.
  • Verwenden Sie anregende Zusätze gezielt und sparsam – die Zusätze sollen einen Zweck erfüllen, nicht einfach nur Sahnehäubchen auf der Torte sein.

Fazit: Wann ist ein Text leicht verständlich?

Optimal verständlich ist ein Text nach dem Hamburger Verständnismodell dann, wenn er einfach geschrieben, prägnant, aber nicht zu knapp, gut und logisch gegliedert und mit einigen interessanten Zusätzen versehen ist.

Anmerkung:

[1] In den 1920er Jahren hat Eduard Engels die „Deutsche Stilkunst“ veröffentlicht, in den 1940er Jahren Ludwig Reiners seine „Stilfibel“, die in Teilen auf Engels basiert. Seit Mitte der 1970er Jahren hat Wolf Schneider zahlreiche Bücher zur deutschen Sprache veröffentlicht; sein Ziel ist es, Schreibenden zu zeigen, wie sie lebendiges und gut verständliches Deutsch schreiben.

 

Das Titelfoto stammt von Pixabay-Nutzer Tobias Lampert.

Ideen bewerten mit der PMI-Methode

Nach dem Sammeln von Ideen steht die Frage: Was mache ich jetzt mit dieser Fülle an mehr oder weniger verrückten Ideen? Neben der Matrix-Methode nutze ich gern die PMI-Methode, um Ideen zu bewerten.

PMI steht für Plus, Minus, Interessant. Es ist eine Methode, die der britische Schriftsteller und Kreativitätsexperte Edward de Bono zur Bewertung von Ideen entwickelt hat. Die Methode ist ausführlich in seinem Buch „De Bonos neue Denkschule“ beschrieben. Das Taschenbuch ist sehr empfehlenswert für alle, die sich für kreatives Denken interessieren (Amazon schreibt das Buch irrtümlich Vera Birkenbihl zu – Frau Birkenbihl hat jedoch lediglich das Vorwort geschrieben).

Die Vorgehensweise beim PMI

  • Zeichnen Sie für jede Idee, die Sie prüfen wollen, eine Tabelle mit drei Spalten auf ein Blatt Papier. Die Spalten beschriften Sie mit Plus, Minus und Interessant. Die Tabelle können Sie natürlich auch in einem Tabellenkalkulationsprogramm oder in Ihrem Textprogramm anlegen.

  • Stellen Sie einen Wecker auf drei Minuten, und tragen Sie in dieser Zeit die positiven Aspekte der Idee in die Plus-Spalte ein.
    Wenn Ihnen über die drei Minuten hinaus weitere Aspekte einfallen: Notieren Sie sie, bis keine neuen mehr kommen. Falls Ihnen schon nach einer Minute keine positiven Aspekte mehr einfallen, bleiben Sie dabei, bis die Zeit abgelaufen ist – oft kommen „auf den letzten Drücker“ noch Einfälle.

  • Danach notieren Sie drei Minuten lang nur die negativen Aspekte der Idee in der entsprechenden Spalte.
    Es kann übrigens auch sein, dass manche Aspekte sowohl in der Plus- als auch in der Minus-Spalte landen.

  • Anschließend nehmen Sie sich drei Minuten, um in der Spalte Interessant weitere Aspekte zu sammeln, die weder positiv noch negativ sind.

  • Führen Sie das PMI für die übrigen Ideen durch.

  • Gehen Sie die verschiedenen PMI-Blätter durch und entscheiden Sie, welche Ideen Sie weiterverfolgen wollen. Wenn möglich, lassen Sie ein, zwei Tage zwischen dem Schreiben der PMI-Tabellen und dem Auswerten verstreichen.

    Ideen bewerten nach der PMI-Methode: Notieren Sie für jede Idee die Plus- und Minuspunkte und interessante Aspekte.

    Ein Hinweis: Die Empfehlung, sich für jede Spalte drei Minuten Zeit zu nehmen, stammt nicht von de Bono. Er gibt in dem Buch keine Empfehlung; er schlägt allerdings eine Übung vor, bei der man sich 3 Minuten für eine bestimmte Idee nehmen soll. Ich habe mit 3 Minuten pro Spalte gute Erfahrungen gemacht, ebenso einige Coaching-Klienten. Ich empfehle

Die Aspekte, die Sie bei der PMI-Methode berücksichtigen

  • Pluspunkte: Stärken der Idee, Vorteile, Alleinstellungsmerkmale (USP – Unique Selling Proposition)

  • Minuspunkte: Schwächen der Idee, Nachteile, Risiken

  • Interessante Punkte: alle erwähnenswerten Aspekte, die weder Plus noch Minus sind; Aspekte, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind; Dinge, die berücksichtigt werden sollten.
    Hilfreich finde ich auch folgende Fragen: „Wohin könnte diese Idee führen?“ und „Welche weiteren Ideen ergeben sich daraus?“
    De Bono empfiehlt, sich beim Beschäftigen mit den interessanten Aspekten diese Frage zu stellen: „Es wäre interessant zu wissen, ob …“

Ideen bewerten: PMI-Methode oder Matrix-Methode oder …?

Je nachdem, wie viel Zeit ich investieren kann oder will, um Ideen zu bewerten, nutze ich diese beiden Methoden nacheinander oder kombiniere sie.

  • Wenn ich genügend Zeit habe, sammle ich erst die PMI-Aspekte für alle gefundenen Ideen und nutze dann die Matrix-Methode, um die aussichtsreichsten herauszufiltern.

  • Wenn ich weniger Zeit aufwenden möchte, siebe ich mit der Matrix-Methode die weniger erfolgversprechenden Ideen aus und betrachte dann die übriggebliebenen anhand der PMI-Methode. Der kleine Nachteil bei dieser Variante: Möglicherweise fallen dabei bei der Matrix-Methode Ideen unter den Tisch, bei denen die PMI ergeben hätte, dass es da spannende Aspekte gibt, die ich mir genauer anschauen sollte.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer 422737.

Ideen bewerten mit der Matrix-Methode

Wenn Sie eine oder mehrere der in diesem Blogbeitrag vorgestellten Kreativitätstechniken genutzt haben, haben Sie höchstwahrscheinlich eine ganze Fülle von Ideen gefunden. Die Frage ist nun: Was machen Sie mit den ganzen Ideen? Wie finden Sie die eine (oder mehrere), die Sie weiter verfolgen wollen?

In der ersten Phase der Ideenfindung liegt der Fokus auf Quantität vor Qualität. Je mehr Ideen Sie sammeln, desto besser. Erst in der zweiten Phase geht es darum, aus der Masse der Ideen die herauszufiltern, die am meisten Erfolg versprechen.

Was „erfolgversprechend“ ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab: Geht es zum Beispiel darum, die Lösung für ein klar umrissenes Problem zu finden und daraus ein Produkt zu machen? Oder geht es darum, beim Schreiben eines Romans Ideen zu finden, wie die Geschichte weitergehen könnte?

Zum Bewerten einer größeren Anzahl von Ideen nutze ich gern eine Matrix, die zwei Parameter kombiniert. Will ich beispielsweise Produktideen entwickeln, ist eine Matrix hilfreich, mit der ich die Machbarkeit und die Originalität bewerte. Beim Schreiben von Geschichten können beispielsweise die Plausibilität und die Umsetzbarkeit (oder die Originalität/der Überraschungseffekt) wichtige Kriterien sein.

Ideen zur Problemlösung bewerten mithilfe der Aufwand-Wirkungs-Matrix

Wenn es darum geht, Lösungen für ein Problem zu finden, beispielsweise Produktideen, dann spielen diese folgenden beiden Kriterien eine entscheidende Rolle:

  • Machbarkeit: Ist die Idee überhaupt umsetzbar? Wie hoch ist der Aufwand?
  • Originalität: Wie neu und überzeugend ist die Idee? Welche Wirkung lässt sich damit erzielen?

Kombiniert man die beiden Kriterien, dann hat man ein praktikables Werkzeug, um Ideen zu bewerten, die Machbarkeit-Originalität-Matrix oder Aufwand-Wirkung-Matrix, wie sie im Produkt-Design auch heißt. Eine Erweiterung der Aufwand-Wirkungs-Matrix habe ich als How-Now-Wow-Matrix auf der Website zu dem Buch „Gamestorming“ gefunden.

Ideen bewerten anhand der How-Now-Wow-Matrix

Zeichnen Sie eine Matrix, die aus vier Feldern besteht. Auf der einen Achse tragen Sie das Kriterium Machbarkeit ein, und zwar „leicht machbar“ und „schwer oder unmöglich“, auf der anderen tragen Sie die Originalität ein: „wenig originell“ und „sehr originell“.

Gehen Sie nun die Ideen nacheinander durch, die Sie gesammelt haben, und bewerten Sie sie nach den Kriterien Machbarkeit und Originalität:

  • Ideen, die nicht oder nur schwer umsetzbar und wenig originell sind, lohnen wahrscheinlich die Mühe nicht.
  • Ideen, die leicht umsetzbar, aber nicht besonders originell sind, können Sie schnell umsetzen. Einer der Gamestorming-Autoren, David Gray, bewertet sie auf der Website zum Buch als leicht erreichbare Früchte, in der Matrix bezeichnet er sie als „NOW“ (Jetzt machen).
  • Ideen, die nicht einfach umsetzbar, dafür aber sehr originell sind, könnten sehr lohnend sein (an diese Ideen hat sich wahrscheinlich vor Ihnen noch niemand gewagt). David Gray stuft sie als HOW ein. Hier gilt es, sich intensiv mit der Frage nach dem WIE zu beschäftigen.
  • Ideen, die wahrscheinlich gut umsetzbar und gleichzeitig besonders originell sind, könnten Volltreffer sein. Gray bezeichnet sie als WOW.

Bei der Bewertung anhand dieser Matrix teilen Sie die Ideen in vier Gruppen ein: Lohnt nicht, Now, Wow, How. Innerhalb der letzten drei Gruppen werden Sie dann weiter sortieren.

Für eine Variante dieser Matrix empfehle ich ein großes Blatt Papier (oder mindestens vier DIN-A4-Blätter, die Sie aneinander legen). Auf den beiden Achsen tragen Sie die Machbarkeit und die Originalität ein; in die Felder platzieren Sie dann die Ideen gewichtet nach den Kriterien Machbarkeit und Originalität (entweder schreiben Sie die Ideen auf kleine Karteikarten oder Sie schreiben sie direkt auf das Papier). So wird sichtbar, welche Ideen Sie für leichter bzw. schwerer machbar halten und als mehr oder weniger originell einstufen.

Ideen bewerten in der Originalität-Machbarkeits-Matrix

Ideen für Geschichten bewerten anhand der Plausibilität-Machbarkeit-Matrix

Bei Geschichten kommt es natürlich ebenfalls auf Originalität an. Viele Geschichtenerzähler haben aber weniger Schwierigkeiten, originelle Ideen zu finden – da wünsche ich mir manchmal, sie hätten sich mehr Gedanken um die Plausibilität gemacht. Dabei kann eine Matrix wie die beiden folgenden helfen.

Geschichtenideen bewerten: Plausibilität und Originalität

Geschichtenideen bewerten: Plausibilität und Umsetzbarkeit

Das Titelbild stammt von Pixabay-Nutzer LoggaWiggler.

11 Kreativitätstechniken, mit denen Sie zündende Ideen finden

Ideen finden fällt vielen Menschen schwer. Das liegt häufig daran, dass sie dem Irrglauben unterliegen, sie müssten die eine, die brillante Idee ausbrüten.

Und genau das ist das Problem: Es gibt kaum eine wirksamere Methode, jemandes Kreativität zu blockieren, als ihn aufzufordern, DIE brillante Idee zu liefern. Wenn man dagegen jemand auffordert, zehn Lösungsvorschläge zu finden, dann klappt das bei den allermeisten. Und erfahrungsgemäß sind da zwei, drei durchaus brillante Ideen dabei.

Bei der Ideenfindung geht tatsächlich Masse vor Klasse. Im ersten Schritt gilt es, so viele Ideen wie möglich zu sammeln. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen zehn plus eine Methode vor, die Ihnen dabei helfen. Ich empfehle Ihnen, je nachdem, wie viel Zeit Ihnen zur Verfügung steht, zwei und mehr dieser Methoden zur Lösung einer Aufgabe heranzuziehen.

Wie Sie die Ideen aus- und bewerten, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Viele der hier vorgestellten Kreativitätstechniken basieren auf einem Perspektivenwechsel oder darauf, Abstand zum Problem zu gewinnen.

Kreativitätstechnik #1: Den Knoten im Kopf lösen

Streng genommen ist das keine Methode, mit der Sie eine Lösung für eine Aufgabe finden. Diese Methode hilft aber, sich von festgefahrenen Denkmustern zu lösen und den Horizont zu erweitern. Ich nutze sie, bevor ich eine der anderen Methoden anwende, insbesondere bei kniffligen Aufgaben.

  1. Sie nehmen sich einige Blätter Papier und einen Stift, gern auch mehrere farbige Stifte.

  2. Dann zeichnen Sie einfach drauflos. Formen, Muster, was auch immer Ihre Hand zeichnen will – versuchen Sie nicht, „schön“ zu zeichnen. Es geht einfach um die Bewegung.

  3. Nachdem Sie ein, zwei Blätter bemalt haben, nehmen Sie den Stift in die andere Hand und machen weiter.

Sie werden sehen: Das lockert ungemein auf.

Kreativitätstechnik #2: Andere Perspektive

Versetzen Sie sich nacheinander in verschiedene Personen und betrachten Sie das Problem aus deren Blickwinkel: Wie würden Sie vorgehen,

  • wenn Sie ein Mann bzw. eine Frau wären

  • wenn Sie deutlich jünger bzw. älter wären

  • wenn Sie in einem anderen Land aufgewachsen wären

  • wenn Sie einen Meter größer bzw. kleiner wären

  • wenn Sie Bundeskanzler, Putzfrau, Lehrer, Richter, Landwirt, Ihr Nachbar, … wären? Suchen Sie sich möglichst unterschiedliche Personen/Berufe aus.

Kreativitätstechnik #3: Reise in der Zeit

Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie in einer anderen Zeit leben würden? Vor 10 Jahren, vor 200 Jahren, vor 1.000 Jahren, in 20 Jahren?

Kreativitätstechnik #4: Was würde Person X tun?

Eine spielerische Herangehensweise: Suchen Sie sich unterschiedliche Personen und fiktive Figuren, schlüpfen Sie in deren Schuhe und überlegen Sie, wie diese Personen/Figuren vorgehen würden.

Mein Tipp: Nehmen Sie Personen und Figuren aus unterschiedlichsten Bereichen, etwa Filmregisseure/Schauspieler, Figuren aus Film oder Literatur, Sportler, Superhelden, Musiker, Schriftsteller, Erfinder, Unternehmer, Politiker. Zum Beispiel Steven Spielberg, James Bond, Isaak Newton, Barack Obama oder Caesar. Es sollten Modelle sein, von denen Sie mehr wissen als den Namen – sonst fällt es Ihnen schwer, in dieses Rolle zu schlüpfen.

Kreativitätstechnik #5: Mit den Augen eines Kindes

Wenn Sie Kinder im Bekanntenkreis haben, schildern Sie denen die Situation und fragen Sie sie, was sie tun würden, um die Lösung zu finden. Das dürfen gerne Kinder unter 10 Jahren sein. Erwarten Sie dann allerdings nicht, eine fertige Lösung präsentiert zu bekommen: Erfahrungsgemäß erhält man so Vorschläge, die komplett anders sind als die von Erwachsenen und die sich gut als Trigger für eigene Ideen oder als Ausgangspunkt für weitere Techniken aus diesem Artikel nutzen lassen.

Kreativitätstechnik #6: Sie haben Superkräfte

Stellen Sie sich vor, Sie haben die Superkräfte von Superman, Wonderwoman, Spiderman, Batman oder einer anderen Comic-Figur. Wie würden Sie diese Kräfte einsetzen, um das Problem zu lösen? Menschliche Grenzen spielen dabei keine Rolle.

Kreativitätstechnik #7: Unendliche Ressourcen

Ähnlich wie die Superman-Methode: Stellen Sie sich vor, Ressourcen wie Geld, Zeit und Arbeitskräfte würden keine Rolle spielen? Was würden Sie tun?

Kreativitätstechnik #8: Kopfstandmethode

Auch diese Methode setzt auf einen Perspektivenwechsel: Drehen Sie die Frage einfach um.

Lautet die Aufgabe zum Beispiel „Wie können wir den Umsatz für Produkt x steigern?“, dann könnte die Umkehrung lauten: „Was müssen wir tun, um den Umsatz für x auf Null zu bringen?“ Die Antworten auf diese Frage sind selbstverständlich keine sofort umsetzbaren Lösungen für die Ausgangsfrage. Aber so gewinnen Sie erfahrungsgemäß eine Reihe von Ideen, die bei der Lösung des Problems helfen.

So finden Sie im Beispiel durch die Umkehrfrage höchstwahrscheinlich die wesentlichen Stellschrauben für den Umsatz heraus – und das könnte bei der Antwort auf die Ausgangsfrage von Nutzen sein.

Kreativitätstechnik #9: Im Kino

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino. Auf der Leinwand beobachten Sie als unbeteiligter Zuschauer die Situation, für die jemand „im Film“ eine Lösung/Idee sucht.

Mit Abstand – räumlich und auch als Person – sehen Sie zumeist mehr als die Person, die mitten im Problem steckt.

Wenn es Ihnen schwer fällt, Abstand zu finden: Stellen Sie sich vor, Sie sehen das Ganze in einem Schwarzweißfilm.

Kreativitätstechnik #10: Vom Ziel rückwärts denken

Stellen Sie sich vor, das Problem ist gelöst, Sie haben das Ziel erreicht? Was ist nun anders? Und wie sind Sie zum Ziel gelangt?

Mit hilft es, das tatsächlich im Raum zu tun:

  1. Ich markiere eine Stelle im Raum als Ausgangspunkt und trete an diesen Punkt.

  2. Ich stelle mir da so konkret wie möglich die Ausgangssituation vor (visuell – wie sieht es aus, auditiv – wenn es da etwas zu hören gibt, wie hört es sich an, kinästhetisch – wie fühlt sich das Problem an/wie fühlt es sich an, das Problem zu haben?).

  3. Dann schaue ich mich im Raum um: Wo könnte das Ziel liegen? Wenn Sie kein visueller Mensch sind, schließen Sie die Augen und spüren hin.

  4. Gehen Sie an die Stelle im Raum, wo für Sie das Ziel liegt.

  5. Stellen Sie sich nun intensiv vor das Problem ist gelöst, Sie sind am Ziel. Auch hier wieder: Was sehen Sie? Was hören Sie? Was spüren Sie?

  6. Dann drehen Sie sich um und schauen zurück zum Ausgangspunkt. Wie sind Sie vom Ausgangspunkt zum Ziel gelangt?
    Probieren Sie aus, welche Vorgehensweise Ihnen besser liegt:
    * Was war der erste Schritt (vom Ausgangspunkt aus)? Was der zweite Schritt …
    * Was war der letzte Schritt vor dem Ziel? Was war der Schritt davor …
    Notieren Sie sich jeden einzelnen Schritt.

Kreativitätstechnik #11: A bis Z

Diese Methode liefert eine Reihe von Inputs rund um das Problem bzw. die Aufgabe. Damit beleuchten Sie das Problem/die Aufgabe von verschiedenen Seiten.

  1. Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift – alternativ öffnen Sie ein leeres Dokument in Ihrem Textprogramm.

  2. Schreiben Sie untereinander die Buchstaben des Alphabets von A bis Z, auch die Umlaute.

  3. Gehen Sie nun die Liste durch und schreiben in jede Zeile ein Wort, das mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt und mit der Aufgabe zu tun hat. Wenn Ihnen mehrere Wörter einfachen, schreiben Sie sie daneben.
    Fällt Ihnen zu einem Buchstaben nichts ein, fahren Sie mit dem nächsten fort.

  4. Gehen Sie die Liste noch einmal durch und füllen Sie die Lücken auf.

Zu den Bildern

Das Bild von Caesar stammt aus dem Buch „Geschichte der Römischen Kaiser“ von Alfred von Domaszewski, veröffentlicht 1914.
Das Wonderwoman-Foto stammt von Pixabay-Nutzerin Erika Wittlieb.
Das Kopfstand-Foto stammt von Pixabay-Nutzerin Ulrike Mai.
Das Foto der gewundenen Straße stammt von Pixabay-Nutzer Unsplash.

Erzählen Sie es Ihrem Smartphone

„Ich habe jetzt schon wieder einen Schulungsauftrag verloren“, klagte kürzlich einer meiner Kunden.

„Auf einer Messe hatte ich einen Abteilungsleiter im Gespräch davon überzeugt, dass mein Anti-Burnout-Training für seine Mitarbeiter genau das Passende ist. Ich sollte dann für die Personalabteilung ein schriftliches Konzept liefern, am Telefon hatte ich schon die Konditionen und alles mit denen geklärt. Aber ich habe es sechs Wochen lang nicht geschafft, irgendetwas Vernünftiges aufzuschreiben. Gestern hab ich noch mal mit der Personalleiterin telefoniert – inzwischen haben sie jemand anderem den Auftrag gegeben.

Im Gespräch kann ich super erklären. Ich tu mir aber immer schwer, wenn ich etwas aufschreiben muss. Haben Sie da nicht einen Tipp für mich?

Wenn es gestelzt klingt

Das ist kein Einzelfall. Gerade begnadete Kommunikatoren tun sich oft schwer damit, etwas niederzuschreiben. Menschen, die in freier Rede brillant formulieren und argumentieren, finden das, was sie geschrieben haben, oft schrecklich banal oder viel zu gestelzt.

Das ist ganz normal, das gehört zum Schreibprozess dazu. Oft sieht man erst auf dem Bildschirm (oder Papier), dass das Geschriebene noch Lücken aufweist oder auch Widersprüche. Und dass die ein oder andere Formulierung doch nicht so brillant ist.

Das ist für viele schwer auszuhalten. Deshalb geben sie zu schnell auf oder schieben das Aufschreiben immer wieder vor sich her – manchmal zu lange. Damit vergeben sie eine große Chance, denn das (Besser-)Schreiben kann man lernen, und das Geschriebene kann man verbessern.

Dazu muss allerdings erst einmal etwas da sein, was man verbessern kann. Vielen ist nicht bewusst, dass auch glänzende Wort- und Satzakrobaten wie Thomas Mann das Geschriebene mehrfach überarbeitet haben.

Tipp: Schreiben lassen statt selbst tippen

Allen, die sich leicht tun mit dem Sprechen, empfehle ich diese Vorgehensweise:

1. Nutzen Sie die Diktiersoftware in Ihrem Smartphone oder verwenden Sie ein Diktiergerät. Erzählen Sie dem Gerät, was Sie aufschreiben wollen.

2. Lassen Sie dann das Diktierte von der App in eine Textdatei umwandeln – schon haben Sie eine Rohfassung, die Sie mit einem Textprogramm überarbeiten können.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass Sie sich das Tippen sparen: Die Texte klingen dann auch so, wie Ihnen „der Schnabel gewachsen ist“. Und nicht furchtbar gestelzt und schwerfällig.

Zusatztipp: Wenn Sie Zuhörer brauchen

Falls es Ihnen schwer fällt, dem Smartphone zu diktieren, weil Sie ein Publikum brauchen: Dann erzählen Sie es einem Freund, einem Kollegen – und zeichnen Sie das mit dem Smartphone oder Diktiergerät auf.

Tipp bei Blockaden: die Schwelle so niedrig wie möglich setzen

Wer eine Aufgabe seit längerem aufschiebt, bekommt von seiner Umwelt oft den gut gemeinten Rat: „Tu’s doch einfach. Ist doch gar nicht so schlimm.“

Wenn’s so einfach wäre…

Hier hilft ein kleiner Trick, den ich bei Mark Forster, dem Autor des empfehlenswerten Buchs „Do It Tomorrow“ (leider nur in Englisch) gefunden habe. Er nennt es die „I’ll just get the file out“-Technik, übersetzt: „Ich hol einfach mal die Akte raus.“ oder „Ich mach einfach mal das Dokument auf“ (für Computernutzer).

So funktionieren wir (oft)

Wenn unsere innere Stimme sagt, dass wir jetzt aber wirklich am Roman, am Artikel oder an der Rede (weiter)schreiben sollten, dann reagieren wir häufig so, dass wir einfach was anderes tun. Das kann sein: Erst mal Kaffee holen, den Schreibtisch aufräumen, jemand anrufen – oder was sonst weniger unangenehm ist als die eigentlich wichtige Aufgabe.

So funktioniert der Trick gegen Blockaden

Mark Forsters Trick gegen Aufschieberitis funktioniert so:

Statt erst einmal auszuweichen, sagen Sie sich: OK, ich mach einfach mal das Word-Dokument auf (oder was auch immer Sie bräuchten, um loszulegen).

Und wenn die Datei geöffnet ist, haben Sie die Wahl: Entweder minimieren Sie die Datei auf dem Bildschirm. Oder Sie fangen an, an der Aufgabe zu arbeiten – nur ein wenig.

Sie werden sehen, dass Sie in 9 von 10 Fällen zumindest einige Sätze tippen.

Und wenn Sie genau das Gleiche morgen, übermorgen und am Tag danach tun, dann haben Sie den Artikel, das Kapitel (oder was auch immer Sie schreiben wollen) fertig, bevor Sie sich versehen.

Oft werden Sie sogar feststellen, dass Sie die Word-Datei geöffnet und mit dem Schreiben angefangen – und unversehens schon den halben Text getippt haben.

Natürlich gibt es auch Tage, an denen das Öffnen des Dokuments alles ist, was Sie tun. Das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass Sie etwas an dem Projekt gemacht haben. Auch das ist ein Schritt, der Ihr Projekt auf lange Sicht vorwärts bringt.

Falls Sie sich dabei ertappen, dass eine Woche lang der einzige Schritt in Richtung Ziel das Öffnen des Dokuments war: Überprüfen Sie für sich, ob das Ziel wirklich so lohnens­wert ist.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer Antranias.

Countdown zum Start

Wenn es Ihnen schwer fällt, mit dem Schreiben anzufangen, probieren Sie den 3-2-1-Countdown aus: Setzen Sie sich eine feste Uhrzeit, zu der Sie beginnen wollen, zum Beispiel 9 Uhr. Und fangen Sie, sobald es Punkt 9:00 Uhr ist, mit einem Countdown an. 3 – 2 – 1. Und dann beginnen Sie – unabhängig davon, wie Sie sich gerade fühlen.

Der Countdown wirkt nach meiner Erfahrung am besten, wenn Sie die Zahlen nicht einfach schnell herunterrattern. Bei mir funktioniert es am besten, wenn ich mir bei jedem Schritt kurz Zeit lasse, um mich immer stärker darauf zu konzentrieren, was ich gleich tun werde. Damit bündle ich meine Gedanken und fokussiere mich auf‘s Handeln (in diesem Fall auf das Schreiben).

Ein Trick dazu

Falls Sie Punkt 9 Uhr verpasst haben („innere Schweinehunde“ können ja sehr trickreich sein), warten Sie nicht bis 10 Uhr, sondern fangen Sie mit dem Countdown zum Beispiel um 9:07 Uhr an.

 

Das Bild stammt von Pixabay-Nutzer ClkerFreeVectorImages