Geschichten-Aufstellen

Welcher Schriftsteller kennt das nicht: Irgendwie ist die Geschichte noch nicht rund. Die Konstellation der Figuren stimmt nicht. Irgendwas fehlt (oder ist zu viel). Die Abfolge der Szenen passt nicht. Sie wollen mit Ihrer Geschichte zu viel auf einmal. Ihre Testleser finden eine Erzählung zu einem Thema, das Ihnen sehr am Herzen liegt, einfach nur langweilig.

In solchen Fällen arbeite ich gern mit einer Methode, die ihre Ursprünge im systemischen Coaching hat und die ich für den Schreibprozess angepasst habe: 

Das Geschichten-Aufstellen oder Figuren-Aufstellen

Das funktioniert ähnlich wie eine Familienaufstellung – nur dass ich anstelle der menschlichen "Stellvertreter" farbige Karten verwende, die Sie im Raum auslegen. Jede Karte repräsentiert zum Beispiel eine Figur Ihres Buchs. Die Position der Karten im Raum zeigt das Verhältnis der Figuren zueinander. 

Dabei legen Sie die Karten an die Position, die Ihnen vom Gefühl her richtig erscheint, und schlüpfen dann kurz in die jeweilige Rolle, indem Sie sich auf die Karte stellen. Dabei helfe ich, wenn nötig, beim Hineinfühlen in die Rolle. Manchmal ändert sich die Position dann noch. Und sehr häufig wird bereits nach dem ersten Auslegen klar, was nicht stimmt: Eine Figur drängt sich zu sehr in den Vordergrund, eine andere steht im Abseits oder zwischen der Hauptfigur und einer weiteren. Vielleicht fehlt auch noch jemand oder eine Figur wird gar nicht gebraucht.

Diese Methode funktioniert besonders gut bei Augenmenschen und bei Menschen, die gern intuitiv vorgehen: Die einen "sehen", was an der Konstellation nicht stimmt. Und die anderen "spüren" es, wenn sie sich auf die verschiedenen Positionen stellen.

Stimmt die Abfolge der Szenen?

Und nicht nur die Konstellation der Figuren und ihre Dynamik lassen sich über eine Aufstellung überprüfen: Auch die Abfolge der Kapitel bzw. Szenen und weitere Aspekte rund um eine Geschichte können Sie damit auf den Prüfstand stellen: Dazu nehmen Sie zum Beispiel für jede Szene bzw. jedes Kapitel eine Karte und legen sie in der bisher vorgesehenen Reihenfolge aus. Dann stellen Sie sich der Reihe nach auf die einzelnen Karten, wobei Sie sich die jeweilige Szene kurz vor Augen rufen. Auch hier wird sehr schnell deutlich, was nicht funktioniert.

Fragen und Ausprobieren

Ob es nun um die Konstellation der Figuren oder um die Szenefolge geht: In beiden Fällen unterstütze ich den Prozess mit Fragen und helfe dem Klienten dabei, sich in die einzelnen Positionen hinein zu assoziieren. Manchmal schlage ich auch vor, andere Positionen auszuprobieren. Alles mit dem Ziel, dass der Klient mehr Klarheit gewinnt.

Der Prozess kann übrigens auch verdeckt ablaufen: Sie müssen Ihre Geschichte nicht vor mir ausbreiten. Als Begleiter muss ich im Grunde nur wissen, welche Karte für welche Person steht, nicht jedoch, wer diese Figur ist und was sie in der Geschichte tut. 

Franz Grieser * Schreib-Coaching in München                    >>> Kontakt    >>> Impressum