Der eine entscheidende Fehler, der unweigerlich zur Schreibblockade führt

Eine Schreibblockade kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie entsteht, wenn man zwei Schritte des Schreibprozesses nicht klar trennt.

Der wahrscheinlich häufigste Grund für eine Schreibblockade

Als ich anfing, Geld mit Schreiben zu verdienen, war mir das nicht klar: Am schnellsten manövriert man sich in eine Schreibblockade, wenn man die beiden Schritte „Rohfassung schreiben“ und „Überarbeiten“ nicht klar trennt.

Ein klassisches Beispiel: Beim Schreiben einer Erzählung kam ich bei jeder Sitzung immer nur zwei, drei Sätze weiter. Kaum standen zwei Sätze auf dem Bildschirm, fing ich schon an, sie umzuschreiben. Ich löschte Wörter, fügte welche ein, stellte etwas um, machte das wieder rückgängig … Und nach einer Stunde war ich nur unwesentlich weiter gekommen. Das Schreiben wurde immer zäher und frustrierender. Es kostete mich richtig Überwindung, den nächsten Anlauf zu unternehmen.

Der Lektor, der zu der Zeit mein erstes Fachbuch betreute, machte mir dann klar, wo der Grund für meine Schreibblockade lag: Ich hatte zugelassen, dass sich beim kreativen Prozess des Schreibens ständig der innere Kritiker einmischte. Dass dem kreativen inneren Anteil dann die Lust verging, wundert mich heute nicht mehr.

Verhindern lässt sich das, wenn man begreift, dass das Schreiben und das Überarbeiten zwei unterschiedliche Tätigkeiten sind, für die man unterschiedliche Fähigkeiten braucht. Und wenn man diese Tätigkeiten zeitlich und – idealerweise – auch räumlich trennt. Sonst kommt es unweigerlich zur Schreibblockade.

Die kreative Phase: die Rohfassung schreiben

Die Fähigkeiten des Kritikers sind beim Schreiben der Rohfassung (=1. Entwurf) hinderlich. Bei der Rohfassung geht es darum, schnell und ohne viel Nachdenken etwas auf den Bildschirm oder das Papier zu bringen. Dabei ist es wichtig, in einen Schreibfluss zu kommen und in diesem Flow zu bleiben.

Alles, was den Schreibfluss unterbricht, ist in dieser kreativen Phase des Schreibprozesses Gift: „Nur mal schnell“ im Web nachlesen, ob das gerade Geschriebene überhaupt stimmt; eine Zahl oder einen Namen nachschlagen; darüber nachdenken, ob ein bestimmtes Argument überhaupt stichhaltig ist – all das bringt Sie aus dem Flow, und es ist dann schwer, wieder in den Flow zu kommen.

Vor allem fühlt sich bei solchen Tätigkeiten sehr schnell der innere Kritiker angesprochen (recherchieren, kritisch prüfen – das kann er gut). Den Kritiker können Sie im kreativen Prozess des Schreibens jedoch nicht brauchen. Das beste Mittel, im schöpferischen Flow zu bleiben: Markieren Sie die Stelle, an der Sie später – beim Überarbeiten – noch etwas ergänzen, nachschlagen oder überprüfen wollen, und schreiben Sie sofort weiter. Nehmen Sie zum Markieren Sonderzeichen, die im Text sonst nicht vorkommen – so können Sie später mit der Suchfunktion danach suchen. Ich nehme dazu ### und eine kurze Anmerkung, beispielsweise:

###überprüfen### oder
###überzeugt mich noch nicht###

Beim Schreiben der Rohfassung geht es um Quantität: Sie müssen erst einmal etwas auf den Bildschirm bringen. Sonst haben Sie in der Phase des Überarbeitens nichts, was Sie später überarbeiten könnten.

Was beim Schreiben der Rohfassung gefragt ist:

  • Kreativität, Schaffenskraft und Schaffensfreude: In dieser Phase dürfen Sie Ihre Fantasie von der Leine lassen. Schreiben Sie, ohne viel nachzudenken und ohne sich zu zensieren.
  • Schnelligkeit: Schreiben Sie schnell. Halten Sie sich nicht damit auf, Tippfehler zu korrigieren oder Wörter oder Sätze umzustellen. Schreiben Sie einfach weiter – geben Sie dem inneren Kritiker keine Gelegenheit einzuhaken.
  • Fokus: Sorgen Sie dafür, dass es keine Störungen von außen gibt. Tür zu, Anrufbeantworter einschalten, Internetverbindung trennen. Schreiben Sie los, und lassen Sie sich von nichts unterbrechen (auch nicht von einer inneren kritikeschen Stimme).
  • Produktivität: Wie schon gesagt, beim Schreiben der Rohfassung kommt es auf Masse an. Kürzen können Sie beim Überarbeiten. Ihr innerer Kritiker wird sich freuen, wenn er was zu tun bekommt.

Wichtig: Die Rohfassung bekommen normalerweise nur Sie zu sehen. Halten Sie sich das vor Augen, wenn sich der innere Kritiker beim Schreiben der Rohfassung meldet.

Die analytische Phase: den Text überarbeiten

Die Phase des Überarbeitens besteht aus mindestens einem Überarbeitungs-durchgang, üblicherweise aus mehreren. Bevor Sie damit anfangen, empfiehlt es sich allerdings, den Text erst einmal ein, zwei Tage liegen zu lassen und sich mit etwas ganz anderem zu beschäftigen.

Überarbeiten in mehreren Durchgängen

Ich empfehle mindestens 3 Durchgänge:

1. Gehen Sie den Text inhaltlich durch: Wo fehlen noch Infos/Details, wo wollten Sie noch etwas recherchieren? Wo waren Sie beim Schreiben unsicher? Recherchieren Sie, ergänzen und korrigieren Sie den Rohtext.

2. Dann lesen Sie die bearbeitete Rohfassung nochmals durch und achten darauf: Ist der Text logisch aufgebaut? Fehlt etwas? Haben Sie etwas geschrieben, was nicht (mehr) in den Text passt? Ist es sinnvoll, Abschnitte umzustellen? Bauen Sie den Text um, wenn nötig.

3. Wenn Sie größere Umbauarbeiten durchgeführt haben, gehen Sie den kompletten Text noch einmal durch. Prüfen Sie, ob die Abfolge (nach wie vor) schlüssig ist und ob alle Informationen vorhanden sind, die der Leser zum Verständnis braucht. Das ist vor allem dann notig, wenn Sie Abschnitte, vielleicht sogar Kapitel umgestellt oder Abschnitte gelöscht haben.

Die Korrekturphase kommt später – Phase 5 des Schreibprozesses: der Feinschliff.

Während Überarbeitungsphase zeigen Sie den Text auch schon Kollegen, Freunden oder auch jemandem aus der Zielgruppe, die Sie ansprechen wollen. Fragen Sie nach Feedback zum Inhalt und (wenn Sie den Text schon sprachlich überarbeitet haben) auch zur Sprache.

Tipp: Überarbeitungszeit begrenzen

Gerade das Überarbeiten könnte man endlos ausdehnen – bis der Text „wirklich perfekt“ ist. Nur: Wirklich perfekt wird so gut wie kein Text. Setzen Sie sich daher ein zeitliches Limit. Eine Faustregel lautet: Die Phasen 3 und 4 im Schreibprozess (Rohfassung bzw. Überarbeitung) dauern in etwa gleich lang.

So vermeiden Sie eine Schreibblockade

Wie schon gesagt: Trennen Sie die beiden Tätigkeiten – das kreative Schreiben und das analytische Überarbeiten – so gut wie möglich. Und zwar zeitlich und, soweit möglich, auch räumlich.

Zeitliche Trennung der Phasen

Wenn Sie Ihre Schreibzeiten planen, dann tragen Sie in den Kalender klar ein, ob Sie die Rohfassung schreiben oder ob Sie Texte überarbeiten. Und halten Sie sich streng an diese Trennung – in jedem Fall beim kreativen Schreiben. Beim Überarbeiten besteht kaum die Gefahr, dass Sie in den kreativen Prozess rutschen und deshalb in eine Blockade geraten.

Falls es beim kreativen Schreiben passiert, dass sich der innere Kritiker meldet und nicht mehr verschwinden will: Stehen Sie auf, schaffen Sie Abstand. Bewegen Sie sich ein wenig, trinken Sie etwas. Dann führen Sie sich klar vor Augen, dass jetzt das kreative Schreiben angesagt ist und dass Sie für das Überarbeiten bereits einen Termin geplant haben.

Tipp: Schreibblockade lösen und den Kopf frei bekommen

Dieses 2-Minuten-Ritual hilft, nach der kurzen Unterbrechung konzentriert mit dem kreativen Schreiben fortzufahren.

Räumliche Trennung

Wenn das möglich ist, richten Sie sich zwei voneinander getrennte Arbeitsplätze ein: einen, an dem Sie kreativ schreiben, und einen, an dem Sie überarbeiten.

Der Kreativplatz braucht keinen Internetzugang und auch kein Telefon. Sie sollten sich dort wohl fühlen, die Gedanken sollten frei fließen können. Es darf gern auch bequem sein. Manche mögen dafür einen klar aufgeräumten Schreibtisch, auf dem nichts ablenkt; andere wollen es lieber hübsch haben; wieder andere stört es nicht, wenn Bücher, Papiere oder anderes herumliegt. Probieren Sie aus, was für Sie am besten funktioniert.

Am Platz für das Überarbeiten brauchen Sie die Verbindung nach draußen, schließlich werden Sie hier öfter Fakten überprüfen oder noch einmal recherchieren.

Hintergrundwissen: Die 5 Phasen des Schreibprozesses

In meiner Praxis hat sich ein Modell mit den folgenden 5 Phasen als am praktikabelsten herausgestellt (es gibt auch Modelle, die zwischen 3 und 7 Phasen vorsehen):

  • Phase 1: Brüten und Recherchieren
  • Phase 2: Strukturieren
  • Phase 3: Rohfassung schreiben
  • Phase 4: Überarbeiten
  • Phase 5: Feinschliff

So schön chronologisch wie im Diagramm oben folgen die Phasen in der Praxis nicht aufeinander. Gerade längere Schreibprojekte, etwa Buchprojekte, sind iterative Prozesse. Oft merkt man beim Schreiben der Rohfassung oder beim Überarbeiten der ersten Kapitel, dass die Struktur doch noch nicht so ganz passt – beispielsweise, dass man zwei Kapitel besser umstellen sollte (von der Rohfassung geht’s dann zurück zum Strukturieren) oder dass noch weitere Kapitel nötig sind (nach dem Überarbeiten geht’s zurück in die kreative Phase 3), etc.

Phase 1: Brüten und Recherchieren

In dieser Phase sammeln Sie erst einmal ungefiltert Ideen und Informationen dazu. Dieses anfängliche Sammeln von Informationen und Ideen funktioniert erst einmal nach der Hamster-Methode: Sammeln, sammeln, sammeln. Mit der Zeit kristallisieren sich Schwerpunkte heraus, die Recherchen werden zielgerichteter. Sie werden das Thema immer stärker eingrenzen.

Phase 2: Strukturieren

Sobald Sie sich einen Überblick über das Thema verschafft und das Thema für das Schreibprojekt eingegrenzt haben, geht es ans Strukturieren und an die Entscheidung „Was kommt rein, was bleibt draußen?“. Sie entwickeln einen roten Faden für den Text, die Gliederung. Die Gliederung ist ein Gerüst, das sich im Lauf des Schreibprozesses noch verändern kann. Nicht selten bemerkt man beim Strukturieren bzw. beim Schreiben, dass einzelne Ideen stärker ausgearbeitet werden sollten, dass die Reihenfolge vielleicht doch anders besser wäre, etc.

Phase 5: Feinschliff

Zuletzt bekommt der Text den Feinschliff. Nutzen Sie die Rechtschreibkorrektur Ihres Textprogramms, besser noch das Programm „Duden Korrektor“, das es separat für Microsoft Word und OpenOffice/LibreOffice gibt und das Bestandteil der Schreibprogramme Papyrus Autor und Textmaker ist. Drucken Sie den Text aus, lesen Sie ihn auf Papier, markieren Sie Formulierungen, die Sie noch ändern wollen, sowie Rechtschreibfehler. Achten Sie auch auf Wortwiederholungen. Fügen Sie die Korrekturen in die digitale Fassung des Textes ein. Bei Veröffentlichungen (Bücher, Webseiten) empfehle ich, professionelle Korrektoren hinzuzuziehen.

Das Titelfoto stammt von Pixabay-Nutzer Jason Goh (cegoh) aus Singapur.
The image was shot by Pixabay user Jason Goh from Singapore.

Die übrigen Fotos stammen von den Pixabay-Nutzern annekarakash und cocoparisienne

Die drei kleinen Bücher über die kreative Arbeit aus dem Zacken Verlag

Jeder, der in irgendeiner Weise kreativ tätig ist (oder gerne wäre), stolpert früher oder später über einige Schwierigkeiten. Typischerweise sind das

  • Zweifel an dem, was man tut; Zweifel, ob das, was man geschaffen hat, gut ist; Zweifel, ob andere das gut finden; Zweifel, ob man selbst gut genug ist;
  • Kritik von außen, gern freundlich verpackt als gute Ratschläge;
  • der Zwiespalt zwischen dem Wusch, etwas höchst Persönliches in die Welt zu bringen, und der Angst, sich damit zu zeigen;
  • und natürlich noch zig weitere Schwierigkeiten wie mangelndes Interesse „da draußen“, handwerkliche Probleme, undundund.

Den ersten drei Schwierigkeiten hat Nathalie Bromberger drei kleine, feine Bücher gewidmet, die sie gerade in Ihrem Zacken Verlag veröffentlicht hat.

Buch ist vielleicht ein bisschen viel gesagt: Es sind drei Broschüren im Format A6, die je 20 bzw. 24 Seiten umfassen. Im Set kosten sie 9,99 Euro (inkl. Versand).

In meinen Augen sind die drei kleinen Bücher ein wunderbares Geschenk für jeden, der sich an kreative Abenteuer wagt oder sich gerne wagen würde.

Das kleine Buch der kreativen Zweifel

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Zweifeln, die kreative Menschen befallen: hinderliche und hilfreiche. Oder, wie Nathalie Bromberger schreibt: ängstliche und kreative Zweifel. In dem 1. Band der Reihe gelingt es ihr, plastisch und auch unterhaltsam die Unterschiede zwischen beiden Zweifeln deutlich zu machen. Sie zeigt, wie diese Zweifel entstehen und wie man erkennt, welcher Zweifel einen gerade quält. Vor allem aber zeigt sie, wie man die kreativen Zweifel nutzt, um seine eigene Vision zu verfolgen – statt Moden hinterher zu laufen und Gefälliges, gut Verkaufbares zu produzieren.

Aus dem kleinen Buch der kreativen Zweifel.

Das kleine Buch vom Nutzen und Schaden der Kritik

In diesem Buch kommt Brombergers Witz am besten zur Geltung; es ist auch am aufwendigsten gestaltet. Hier unterscheidet sie sehr fein drei unterschiedliche Arten von Kritik: Feuilleton- und Markt-Blick-Kritik sowie Kritik, die aus dem Herzen kommt.

Aus dem kleinen Buch vom Nutzen und Schaden der Kritik.

Im letzten Teil wird das Buch zum Plädoyer, sich für seine kreativen Projekte (in dem Fall für Buchprojekte) „Herzbuch-Kritiker“ zu suchen. Denn nur deren Kritik nützt dem Schaffenden, da nur Herzbuch-Kritiker „den Geist der Geschichte erkennen und aus diesem heraus das Manuskript beurteilen,“ so die Autorin. Viel Raum widmet sie deshalb der Frage: Wie suche ich mir potenzielle Herzbuch-KritikerInnen?

Ein hilfreiches Buch für Menschen, die gerade erst anfangen, Kreatives zu schaffen, oder die – noch – von starken Zweifeln geplagt sind. Denen kann die Unterstützung durch Herzbuch-Kritiker Sicherheit geben und einen klareren Blick auf das Geschaffene.

Damit nicht geschieht, was Markt-Blick-Kritik beabsichtigt:

Nathalie Bromberger über Markt-Blick-Kritik.

Das kleine Buch vom kreativen Ersticken

Was passiert, wenn wir unserem inneren Drang, etwas zu erschaffen, keinen Raum geben? Nathalie Bromberger nennt die Folge „kreatives Ersticken“. Sie beschreibt eindringlich das innere Ringen dabei. Und sie findet einen schönen Dreh raus aus der (für die Kreativität) tödlichen Spirale. Den verrate ich hier allerdings nicht, weil der Dreh nur wirkt, wenn man der Autorin durch ihren Gedankengang gefolgt ist.

Aus dem kleinen Buch vom kreativen Ersticken.

Die drei kleinen Bücher über die kreative Arbeit

Insgesamt bekommen Sie mit den drei Bänden etwas mehr als 60 Seiten Lektüre. Nicht viel für Bücherfresser, die vorwiegend Futter für den Intellekt wollen oder Tipps und Tools suchen. Wer jedoch etwas fürs Herz sucht, Ermutigung, Trost und auch Bestätigung, ist mit den drei kleinen Büchern bestens bedient. Und als Geschenk sind sie auch hervorragend geeignet, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.

Die drei Bände sind nicht einzeln, sondern nur im Set erhältlich, entweder direkt im Onlineshop des Zacken Verlags oder im Buchhandel.

Autorin und Zeichnerin: Nathalie Bromberger
Preis: 9,99 Euro (inkl. Versandkosten)
ISBN 978-3-946055-02-0

 

Kostenloses E-Book: Keine Angst vor dem leeren Bildschirm

In diesem kostenlosen E-Book finden Sie 5 Tipps, die Ihnen helfen, mit dem Schreiben anzufangen und dranzubleiben.

Ein leerer Bildschirm oder ein leeres Blatt Papier ist für viele eine große Hürde. Sie wissen nicht, wo und wie sie anfangen sollen. Sie unternehmen zig Anläufe, schreiben etwas, sind unzufrieden damit und löschen das Geschriebene sofort wieder. Und mit jeder Viertelstunde, die man unproduktiv verbringt, sinken die Stimmung und das Selbstvertrauen.

Ich verdiene seit 30 Jahren meinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben. Und ich kenne diese frustrierende Zeit vor dem Bildschirm. Ich habe im Lauf der Zeit jede Menge Tipps und Techniken ausprobiert. Einiges hat funktioniert, vieles nicht.

Ich habe in diesem E-Book 5 Tipps zusammengestellt, die mir, schreibenden Kollegen und meinen Schreibcoaching-Klienten helfen, mit dem Schreiben anzufangen, in einen Flow zu kommen und dranzubleiben.

Zum Inhalt des E-Books

Mit dem Schreiben beginnen:

  • Die 4 W als Starthilfe − das ist eine strukturierte Methode, mit der Sie schnell etwas Sinnvolles auf’s Papier/auf den Bildschirm bringen.

4 Tipps gegen das Aufschieben:

  • Nur mal das Dokument öffnen − ein niedrigschwelliger Einstieg, nicht so gut geeignet, wenn die Deadline vor der Tür steht.
  • Die Isaac-Newton-Methode − ähnlich niedrigschwellig wie Tipp 2, besser geeignet, wenn es zeitlich schon eng wird.
  • Tun Sie’s jetzt, um unangenehme Gefühle kümmern Sie sich später − hervorragend geeignet, wenn Sie kurz vor dem Abgabetermin stehen.
  • Countdown zum Start − dieser Tipp lässt sich gut mit den anderen kombinieren.

Klicken Sie hier, um das kostenlose E-Book herunterzuladen.

Wie ein 2-Minuten-Ritual hilft, mit dem Schreiben zu beginnen

Das 2-Minuten-Ritual hilft mir, von der ersten Minute an hochkonzentriert und zielgerichtet mit dem Schreiben loszulegen.

Wenn ich ohne das Ritual mit dem Schreiben beginne, brauche ich länger, um in den Flow zu kommen. Oft fällt mir noch dieses oder jenes ein, das ich erledigen sollte, bevor ich dann tatsächlich mit dem Schreiben anfange. Oder meine Gedanken schweifen ab, während ich schreibe.

Das Ritual funktioniert natürlich auch, wenn es nicht ums Schreiben geht, sondern um eine andere Tätigkeit, die Konzentration verlangt, wie Buchhaltung, Telefonate, ein Seminar etc.

Mein Ritual besteht aus zwei Schritten:

Schritt 1: Den Kopf frei bekommen mit der 1-Minute-Meditation

Ich habe Jahre lang versucht, mit dem Meditieren anzufangen, weil ich nach wie vor denke, dass mir das gut täte. Aber 30 Minuten oder auch nur 10 in Stille zu sitzen, macht mich eher unruhig. Und dass sich da dauernd das Gedankenkarussell dreht, frustiert mich. Und mich vor der Arbeit erst mal 10 oder 30 Minuten hin zu setzen und „nichts zu tun“, während die Arbeit wartet, fällt mir bis heute schwer.

Zum Glück bin ich vor etwa 2 Jahren auf ein witziges Video gestoßen, das die 1-Minute-Meditation vorstellt. Und da hat es bei mir Klick gemacht, denn nach der einen Minute Meditation, die ich während des Videos gemacht habe, fühlte ich mich klar und erfrischt und war gut gelaunt.

Ja, und seither mache ich zu Beginn des Arbeitstages und nach der Mittagspause die 1-Minute-Meditation (plus den 2. Teil meines Rituals) und bin seither sowohl produktiver als auch zufriedener. Die Kurzmeditation mache ich direkt an meinem Schreibtisch – wie genau sie funktioniert, erläutert das Video am Ende dieses Beitrags.

Diese kurze Meditation hilft mir nicht nur, das Gedankenkarussell zu stoppen. Hinterher fühle ich mich geistig wacher und klarer.

Sie ist auch sehr hilfreich, um nach einer Unterbrechung – Telefon, Postbote, oder … – schnell wieder in den Flow zu kommen.

Schritt 2: Auf das Warum fokussieren

Im zweiten Schritt geht es darum, dem was ich gleich tun werde, eine Richtung, ein Ziel und, ja, auch einen Sinn zu geben.

Nach der Meditation schaue ich auf meiner Aufgabenliste für den Tag, was jetzt ansteht. Und dann stelle ich mir zwei Fragen:

1. Warum setze ich mich jetzt an diese Aufgabe?

2. Und wie trägt diese Aufgabe dazu bei, mich meinen Langfristzielen einen Schritt näher zu bringen?

Bei der Frage nach dem Warum geht es mir darum, einen guten Grund zu finden. „Weil’s halt erledigt werden muss; weil ich den Auftrag sonst verliere; weil mir das Finanzamt sonst auf die Füße tritt…“ – das sind für mich keine guten Gründe. Ein guter Grund, mich beispielsweise an die Buchhaltung zu setzen, obwohl ich viel lieber schreiben würde, ist für mich: Klarheit über meine finanzielle Lage zu bekommen. Gute Gründe, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben, sind für mich zum Beispiel: mich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und Klarheit darüber zu bekommen; Know-how weitergeben; das Google-Ranking erhöhen; neue Leser gewinnen.

Die Antwort auf Frage 2 stellt das, was ich gleich tun werde, in einen größeren Rahmen. Damit gewinnt es eine höhere Wertigkeit, es bekommt Sinn, denn es bringt mich langfristig weiter. So bringt mich zum Beispiel jeder Blogbeitrag dem Ziel näher, den „Geschäftsbereich“ Schreibcoaching auszubauen.

Damit ich nach der Kurzmeditation nicht erst die Aufgabenliste durchgehen muss, um zu schauen, womit ich anfange, kläre ich diese Frage normalerweise am Ende des vorherigen Arbeitstages.

Mehr zur 1-Minute-Meditation

Das Video, das ich Ihnen gleich vorstelle, wirbt für das Buch „One Moment Meditation – Stille in einer hektischen Welt“ von Martin Boroson. Boroson sagt, dass man mit etwas Übung selbst in einem Augenblick „meditieren“ und damit sofort klarer und wacher werden kann. Die 1-Minute-Meditation ist für ihn der Einstieg, er stellt in dem Buch noch weitere Kurzmeditationen vor.

Im Grunde reicht aber das, was er in dem Video zeigt, vollkommen aus. Sie brauchen nicht notwendigerweise das Buch, um die 1-Minute-Meditation zu lernen.

Eine Minute meditieren – probieren Sie es doch gleich mal aus. Jetzt.

Es gibt übrigens eine kostenlose App „One Moment Meditation“ für das iPhone und iPad und für Android-Geräte (im App Store bzw. Google Play). Der normale Timer auf dem Smartphone tut es aber genauso.

Und jetzt sind Sie dran

Haben Sie ein Ritual, mit dem Sie das Schreiben beginnen? Verraten Sie’s uns in den Kommentaren.
Und wenn Sie „mein“ Ritual oder die 1-Minute-Meditation ausprobieren: Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Wie Sie Ideen weiterentwickeln

Ideen weiterentwickeln mit der Methode „Brainstorming for one“

Unser Gehirn stellt ständig Assoziationen her und verknüpft neue Informationen mit bereits bekannten. Dabei erzeugt es sowohl logische als auch „spinnerte“ Verknüpfungen; erfahrungsgemäß sind es oft die verrückten Verknüpfungen, die uns zu neuen, bisher nicht da gewesenen Lösungen bringen.

Es gibt eine ganze Reihe von Kreativitätstechniken, die dieses Phänomen nutzen, die sind aber in der Regel für mehrere Personen gedacht. Wenn Ihnen gerade niemand als Partner zum Ideen-Pingpong zur Verfügung steht, nutzen Sie doch die „Brainstorming for one“-Technik (oder „Brainstorming für eine Person“).

Brainstorming for one

Diese Methode hat Vera Birkenbihl in ihrem Buch „Stroh im Kopf“ beschrieben (seit Auflage 35 ist die Technik im Buch nicht mehr enthalten). Ich habe sie ein wenig erweitert:

1. Notieren Sie Ihre Ideen auf Karteikarten. Schreiben Sie so lange, bis Ihnen nichts mehr einfällt.

2. Mischen Sie die Karten kräftig durch und legen Sie sie auf einen Stapel.

3. Nehmen Sie sich ein großes Blatt Papier oder setzen Sie sich an den PC. Nehmen Sie nun die beiden obersten Karten vom Stapel. Lesen Sie die Ideen auf den beiden Karten und schreiben Sie dann auf, was Ihnen zur Verbindung der beiden Ideen einfällt.
Wichtig dabei: Wie beim Brainstorming in einer Gruppe wird hier nichts zensiert und nichts zurückgehalten. Egal, wie verrückt die Kombination aus den beiden Ideen auch ist.

4. Gehen Sie die Karten des Stapels nun paarweise durch und notieren Sie zu jedem Kartenpaar alle Ideen, die Ihnen zu dieser Verbindung kommen.

5. Wenn Sie wollen, mischen Sie die Karten noch einmal durch und gehen sie ein weiteres Mal paarweise durch und notieren die Ideen, die sich daraus ergeben.

6. Lesen Sie die gefundenen Ideenkombinationen durch.
Je nach Ihren Vorlieben legen Sie ein Mindmap oder ein Cluster an, in dem Sie die Ideenkombinationen anordnen.
Oder nutzen Sie eine der in diesem Beitrag beschriebenen Matrix-Varianten, um die Ideen zu bewerten und sich für einige Ideen zu entscheiden, die Sie weiterverfolgen wollen.

 

Das Foto des Farns stammt von Pixabay-Nutzer Endro Lewa, Indonesien (Nordsumatra).
Thanks for the title image go to Pixabay user Endro Lewa from Indonesia.

 

Wie Sie verständlich schreiben

Wer schreibt, will gelesen und verstanden werden – einmal abgesehen von Fällen, wo es rein ums Beeindrucken geht oder darum, „Nichteingeweihte“ auszuschließen oder bei juristischer Sprache.

Wer gelesen und verstanden werden will, tut gut daran, leicht verständlich zu schreiben.

Mit der Frage, wann ist deutsche Sprache leicht verständlich, beschäftigten sich Germanisten schon seit vielen Jahren. Wer mehr dazu wissen will: Am Ende dieses Artikels schreibe ich mehr dazu. [1]

Anfang der 1970er Jahre entwickelten die Hamburger Psychologen Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun (ja, genau, der mit den vier Seiten einer Botschaft) und Reinhard Tausch Kriterien für die Verständlichkeit von Texten. Sie orientierten sich dabei an den Ergebnissen aus der Lesbarkeitsforschung, die sie aus mehreren Untersuchungen zogen.

Verständlich schreiben nach dem Hamburger Verständlichkeitsmodell

Die Hamburger Psychologen fanden heraus, dass ihre Versuchspersonen Texte dann leicht verständlich fanden, wenn sie den folgenden Kriterien entsprachen:

  • Einfachheit
  • Gliederung und Ordnung
  • Kürze und Prägnanz
  • Anregende Zusätze

Was bedeuten diese Kriterien? Und wie setzt man sie in der Praxis um?

1. Einfachheit

Einfach geschriebene Texte zeichnen sich aus durch:

  • kurze Sätze (die Hamburger Psychologen empfehlen 9 bis 13 Wörter für Sätze, die sehr leicht verständlich sein sollen), einfache Nebensatzgebilde – keine verschachtelten Sätze oder Einschübe;
  • kurze Wörter (möglichst nicht mehr als 3 Silben);
  • dem Leser vertraute Wörter; wer Fremdwörter oder Fachbegriffe verwendet, sollte diese erklären.

Wie einfach Sie einen Text halten, hängt natürlich von der Zielgruppe ab. Ebenso vom Medium und der Situation, in der der Text gelesen wird: Menschen, die nicht schon mit dem Internet aufgewachsen sind, tun sich meist schwerer, am Bildschirm zu lesen als auf Papier.

Anmerkung: Für meinen Geschmack sind die 9 bis 13 Wörter pro Satz, die die Psychologen aus Hamburg empfehlen, zu knapp. Wenn man sich streng daran hält, produziert man eine Aneinanderreihung knapper, nüchterner Hauptsätze, was auf Dauer monoton und ermüdend ist. Ich halte mich da lieber an die Empfehlungen von Wolf Schneider und Ludwig Reiners, nach denen Sätze mit 20 bis 24 Wörtern durchaus verständlich (wenn auch nicht leicht verständlich) sind. Mein Ziel ist es, nicht „nur“ leicht verständliche Texte zu schreiben, sondern auch solche, die man gerne liest.

2. Gliederung und Ordnung

Damit Leser Schilderungen oder Erklärungen leicht folgen können, sollte der Autor die Informationen in logischer Abfolge und in verdaubaren Häppchen präsentieren. Sonst fällt es den Lesern schwer, den roten Faden zu erkennen.

Mit einer klaren Gliederung und Abfolge helfen Sie Ihrem Leser, den Text schneller zu verdauen. Dabei helfen diese Hinweise:

  • Überlegen Sie sich vor dem Schreiben eine logische Abfolge, und halten Sie sich beim Schreiben an diesen roten Faden.
  • Beschränken Sie sich auf einen Gedanken pro Satz.
  • Stellen Sie das Wesentliche an den Anfang des Textes und an den Anfang des Satzes.
  • Gliedern Sie den Text durch Absätze so, dass Zusammengehöriges in einem Absatz steht.
  • Machen Sie dem Leser deutlich, was wesentlich ist; lassen Sie Unwesentliches nach Möglichkeit weg.
  • Nutzen Sie optische Gestaltungsmittel, um dem Leser das Aufnehmen der Informationen zu erleichtern. Dabei helfen Überschriften, Aufzählungen oder auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

3. Kürze und Prägnanz

  • Was Kürze und Prägnanz anlangt, formulierten die Hamburger Psychologen zwei Extreme und empfahlen, einen Mittelweg zu suchen zwischen
  • zu knapp: gedrängt, jedes Wort ist notwendig;
  • zu weitschweifig: sehr ausführlich, viel Unwesentliches, vieles könnte man auch weglassen.

Das heißt: Beschränken Sie sich im Text auf das Wesentliche; formulieren Sie sparsam, jedoch nicht zu knapp; formulieren Sie konkret und anschaulich.

Kurz und knapp kann auch zu knapp sein.

4. Anregende Zusätze

Wenn Sie Texte streng nach den ersten drei Kriterien verfassen, können diese sehr knapp und trocken wirken. Daher empfehlen die Hamburger Psychologen, anregende Zusätze zu verwenden. Das heißt:

  • Nutzen Sie Beispiele, die dem Leser verdeutlichen, was Sie meinen. Verwenden Sie dabei nach Möglichkeit Beispiele aus der Lebenswelt des Lesers.
  • Fügen Sie Elemente wie Fragen oder Zitate ein, um den Text aufzulockern.
  • Schreiben Sie anschaulich, sodass der Leser Ihrem Text leicht folgen kann und er auch Lust hat, ihm zu folgen.
  • Schreiben Sie persönlich, und werden Sie als Autor sichtbar, soweit das sinnvoll ist.
  • Wenn möglich, fügen Sie erklärende Bilder oder Grafiken ein.
  • Verwenden Sie anregende Zusätze gezielt und sparsam – die Zusätze sollen einen Zweck erfüllen, nicht einfach nur Sahnehäubchen auf der Torte sein.

Fazit: Wann ist ein Text leicht verständlich?

Optimal verständlich ist ein Text nach dem Hamburger Verständnismodell dann, wenn er einfach geschrieben, prägnant, aber nicht zu knapp, gut und logisch gegliedert und mit einigen interessanten Zusätzen versehen ist.

Anmerkung:

[1] In den 1920er Jahren hat Eduard Engels die „Deutsche Stilkunst“ veröffentlicht, in den 1940er Jahren Ludwig Reiners seine „Stilfibel“, die in Teilen auf Engels basiert. Seit Mitte der 1970er Jahren hat Wolf Schneider zahlreiche Bücher zur deutschen Sprache veröffentlicht; sein Ziel ist es, Schreibenden zu zeigen, wie sie lebendiges und gut verständliches Deutsch schreiben.

 

Das Titelfoto stammt von Pixabay-Nutzer Tobias Lampert.

Ideen bewerten mit der PMI-Methode

Nach dem Sammeln von Ideen steht die Frage: Was mache ich jetzt mit dieser Fülle an mehr oder weniger verrückten Ideen? Neben der Matrix-Methode nutze ich gern die PMI-Methode, um Ideen zu bewerten.

PMI steht für Plus, Minus, Interessant. Es ist eine Methode, die der britische Schriftsteller und Kreativitätsexperte Edward de Bono zur Bewertung von Ideen entwickelt hat. Die Methode ist ausführlich in seinem Buch „De Bonos neue Denkschule“ beschrieben. Das Taschenbuch ist sehr empfehlenswert für alle, die sich für kreatives Denken interessieren (Amazon schreibt das Buch irrtümlich Vera Birkenbihl zu – Frau Birkenbihl hat jedoch lediglich das Vorwort geschrieben).

Die Vorgehensweise beim PMI

  • Zeichnen Sie für jede Idee, die Sie prüfen wollen, eine Tabelle mit drei Spalten auf ein Blatt Papier. Die Spalten beschriften Sie mit Plus, Minus und Interessant. Die Tabelle können Sie natürlich auch in einem Tabellenkalkulationsprogramm oder in Ihrem Textprogramm anlegen.

  • Stellen Sie einen Wecker auf drei Minuten, und tragen Sie in dieser Zeit die positiven Aspekte der Idee in die Plus-Spalte ein.
    Wenn Ihnen über die drei Minuten hinaus weitere Aspekte einfallen: Notieren Sie sie, bis keine neuen mehr kommen. Falls Ihnen schon nach einer Minute keine positiven Aspekte mehr einfallen, bleiben Sie dabei, bis die Zeit abgelaufen ist – oft kommen „auf den letzten Drücker“ noch Einfälle.

  • Danach notieren Sie drei Minuten lang nur die negativen Aspekte der Idee in der entsprechenden Spalte.
    Es kann übrigens auch sein, dass manche Aspekte sowohl in der Plus- als auch in der Minus-Spalte landen.

  • Anschließend nehmen Sie sich drei Minuten, um in der Spalte Interessant weitere Aspekte zu sammeln, die weder positiv noch negativ sind.

  • Führen Sie das PMI für die übrigen Ideen durch.

  • Gehen Sie die verschiedenen PMI-Blätter durch und entscheiden Sie, welche Ideen Sie weiterverfolgen wollen. Wenn möglich, lassen Sie ein, zwei Tage zwischen dem Schreiben der PMI-Tabellen und dem Auswerten verstreichen.

    Ideen bewerten nach der PMI-Methode: Notieren Sie für jede Idee die Plus- und Minuspunkte und interessante Aspekte.

    Ein Hinweis: Die Empfehlung, sich für jede Spalte drei Minuten Zeit zu nehmen, stammt nicht von de Bono. Er gibt in dem Buch keine Empfehlung; er schlägt allerdings eine Übung vor, bei der man sich 3 Minuten für eine bestimmte Idee nehmen soll. Ich habe mit 3 Minuten pro Spalte gute Erfahrungen gemacht, ebenso einige Coaching-Klienten. Ich empfehle

Die Aspekte, die Sie bei der PMI-Methode berücksichtigen

  • Pluspunkte: Stärken der Idee, Vorteile, Alleinstellungsmerkmale (USP – Unique Selling Proposition)

  • Minuspunkte: Schwächen der Idee, Nachteile, Risiken

  • Interessante Punkte: alle erwähnenswerten Aspekte, die weder Plus noch Minus sind; Aspekte, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind; Dinge, die berücksichtigt werden sollten.
    Hilfreich finde ich auch folgende Fragen: „Wohin könnte diese Idee führen?“ und „Welche weiteren Ideen ergeben sich daraus?“
    De Bono empfiehlt, sich beim Beschäftigen mit den interessanten Aspekten diese Frage zu stellen: „Es wäre interessant zu wissen, ob …“

Ideen bewerten: PMI-Methode oder Matrix-Methode oder …?

Je nachdem, wie viel Zeit ich investieren kann oder will, um Ideen zu bewerten, nutze ich diese beiden Methoden nacheinander oder kombiniere sie.

  • Wenn ich genügend Zeit habe, sammle ich erst die PMI-Aspekte für alle gefundenen Ideen und nutze dann die Matrix-Methode, um die aussichtsreichsten herauszufiltern.

  • Wenn ich weniger Zeit aufwenden möchte, siebe ich mit der Matrix-Methode die weniger erfolgversprechenden Ideen aus und betrachte dann die übriggebliebenen anhand der PMI-Methode. Der kleine Nachteil bei dieser Variante: Möglicherweise fallen dabei bei der Matrix-Methode Ideen unter den Tisch, bei denen die PMI ergeben hätte, dass es da spannende Aspekte gibt, die ich mir genauer anschauen sollte.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer 422737.

Ideen bewerten mit der Matrix-Methode

Wenn Sie eine oder mehrere der in diesem Blogbeitrag vorgestellten Kreativitätstechniken genutzt haben, haben Sie höchstwahrscheinlich eine ganze Fülle von Ideen gefunden. Die Frage ist nun: Was machen Sie mit den ganzen Ideen? Wie finden Sie die eine (oder mehrere), die Sie weiter verfolgen wollen?

In der ersten Phase der Ideenfindung liegt der Fokus auf Quantität vor Qualität. Je mehr Ideen Sie sammeln, desto besser. Erst in der zweiten Phase geht es darum, aus der Masse der Ideen die herauszufiltern, die am meisten Erfolg versprechen.

Was „erfolgversprechend“ ist, hängt von Ihrer Ausgangslage ab: Geht es zum Beispiel darum, die Lösung für ein klar umrissenes Problem zu finden und daraus ein Produkt zu machen? Oder geht es darum, beim Schreiben eines Romans Ideen zu finden, wie die Geschichte weitergehen könnte?

Zum Bewerten einer größeren Anzahl von Ideen nutze ich gern eine Matrix, die zwei Parameter kombiniert. Will ich beispielsweise Produktideen entwickeln, ist eine Matrix hilfreich, mit der ich die Machbarkeit und die Originalität bewerte. Beim Schreiben von Geschichten können beispielsweise die Plausibilität und die Umsetzbarkeit (oder die Originalität/der Überraschungseffekt) wichtige Kriterien sein.

Ideen zur Problemlösung bewerten mithilfe der Aufwand-Wirkungs-Matrix

Wenn es darum geht, Lösungen für ein Problem zu finden, beispielsweise Produktideen, dann spielen diese folgenden beiden Kriterien eine entscheidende Rolle:

  • Machbarkeit: Ist die Idee überhaupt umsetzbar? Wie hoch ist der Aufwand?
  • Originalität: Wie neu und überzeugend ist die Idee? Welche Wirkung lässt sich damit erzielen?

Kombiniert man die beiden Kriterien, dann hat man ein praktikables Werkzeug, um Ideen zu bewerten, die Machbarkeit-Originalität-Matrix oder Aufwand-Wirkung-Matrix, wie sie im Produkt-Design auch heißt. Eine Erweiterung der Aufwand-Wirkungs-Matrix habe ich als How-Now-How-Matrix auf der Website zu dem Buch „Gamestorming“ gefunden.

Ideen bewerten anhand der Now-Wow-How-Matrix

Zeichnen Sie eine Matrix, die aus vier Feldern besteht. Auf der einen Achse tragen Sie das Kriterium Machbarkeit ein, und zwar „leicht machbar“ und „schwer oder unmöglich“, auf der anderen tragen Sie die Originalität ein: „wenig originell“ und „sehr originell“.

Gehen Sie nun die Ideen nacheinander durch, die Sie gesammelt haben, und bewerten Sie sie nach den Kriterien Machbarkeit und Originalität:

  • Ideen, die nicht oder nur schwer umsetzbar und wenig originell sind, lohnen wahrscheinlich die Mühe nicht.
  • Ideen, die leicht umsetzbar, aber nicht besonders originell sind, können Sie schnell umsetzen. Einer der Gamestorming-Autoren, David Gray, bewertet sie auf der Website zum Buch als leicht erreichbare Früchte, in der Matrix bezeichnet er sie als „NOW“ (Jetzt machen).
  • Ideen, die nicht einfach umsetzbar, dafür aber sehr originell sind, könnten sehr lohnend sein (an diese Ideen hat sich wahrscheinlich vor Ihnen noch niemand gewagt). David Gray stuft sie als HOW ein. Hier gilt es, sich intensiv mit der Frage nach dem WIE zu beschäftigen.
  • Ideen, die wahrscheinlich gut umsetzbar und gleichzeitig besonders originell sind, könnten Volltreffer sein. Gray bezeichnet sie als WOW.

Bei der Bewertung anhand dieser Matrix teilen Sie die Ideen in vier Gruppen ein: Lohnt nicht, Now, Wow, How. Innerhalb der letzten drei Gruppen werden Sie dann weiter sortieren.

Für eine Variante dieser Matrix empfehle ich ein großes Blatt Papier (oder mindestens vier DIN-A4-Blätter, die Sie aneinander legen). Auf den beiden Achsen tragen Sie die Machbarkeit und die Originalität ein; in die Felder platzieren Sie dann die Ideen gewichtet nach den Kriterien Machbarkeit und Originalität (entweder schreiben Sie die Ideen auf kleine Karteikarten oder Sie schreiben sie direkt auf das Papier). So wird sichtbar, welche Ideen Sie für leichter bzw. schwerer machbar halten und als mehr oder weniger originell einstufen.

Ideen bewerten in der Originalität-Machbarkeits-Matrix

Ideen für Geschichten bewerten anhand der Plausibilität-Machbarkeit-Matrix

Bei Geschichten kommt es natürlich ebenfalls auf Originalität an. Viele Geschichtenerzähler haben aber weniger Schwierigkeiten, originelle Ideen zu finden – da wünsche ich mir manchmal, sie hätten sich mehr Gedanken um die Plausibilität gemacht. Dabei kann eine Matrix wie die beiden folgenden helfen.

Geschichtenideen bewerten: Plausibilität und Originalität

Geschichtenideen bewerten: Plausibilität und Umsetzbarkeit

Das Titelbild stammt von Pixabay-Nutzer LoggaWiggler.

11 Kreativitätstechniken, mit denen Sie zündende Ideen finden

Ideen finden fällt vielen Menschen schwer. Das liegt häufig daran, dass sie dem Irrglauben unterliegen, sie müssten die eine, die brillante Idee ausbrüten.

Und genau das ist das Problem: Es gibt kaum eine wirksamere Methode, jemandes Kreativität zu blockieren, als ihn aufzufordern, DIE brillante Idee zu liefern. Wenn man dagegen jemand auffordert, zehn Lösungsvorschläge zu finden, dann klappt das bei den allermeisten. Und erfahrungsgemäß sind da zwei, drei durchaus brillante Ideen dabei.

Bei der Ideenfindung geht tatsächlich Masse vor Klasse. Im ersten Schritt gilt es, so viele Ideen wie möglich zu sammeln. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen zehn plus eine Methode vor, die Ihnen dabei helfen. Ich empfehle Ihnen, je nachdem, wie viel Zeit Ihnen zur Verfügung steht, zwei und mehr dieser Methoden zur Lösung einer Aufgabe heranzuziehen.

Wie Sie die Ideen aus- und bewerten, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Viele der hier vorgestellten Kreativitätstechniken basieren auf einem Perspektivenwechsel oder darauf, Abstand zum Problem zu gewinnen.

Kreativitätstechnik #1: Den Knoten im Kopf lösen

Streng genommen ist das keine Methode, mit der Sie eine Lösung für eine Aufgabe finden. Diese Methode hilft aber, sich von festgefahrenen Denkmustern zu lösen und den Horizont zu erweitern. Ich nutze sie, bevor ich eine der anderen Methoden anwende, insbesondere bei kniffligen Aufgaben.

  1. Sie nehmen sich einige Blätter Papier und einen Stift, gern auch mehrere farbige Stifte.

  2. Dann zeichnen Sie einfach drauflos. Formen, Muster, was auch immer Ihre Hand zeichnen will – versuchen Sie nicht, „schön“ zu zeichnen. Es geht einfach um die Bewegung.

  3. Nachdem Sie ein, zwei Blätter bemalt haben, nehmen Sie den Stift in die andere Hand und machen weiter.

Sie werden sehen: Das lockert ungemein auf.

Kreativitätstechnik #2: Andere Perspektive

Versetzen Sie sich nacheinander in verschiedene Personen und betrachten Sie das Problem aus deren Blickwinkel: Wie würden Sie vorgehen,

  • wenn Sie ein Mann bzw. eine Frau wären

  • wenn Sie deutlich jünger bzw. älter wären

  • wenn Sie in einem anderen Land aufgewachsen wären

  • wenn Sie einen Meter größer bzw. kleiner wären

  • wenn Sie Bundeskanzler, Putzfrau, Lehrer, Richter, Landwirt, Ihr Nachbar, … wären? Suchen Sie sich möglichst unterschiedliche Personen/Berufe aus.

Kreativitätstechnik #3: Reise in der Zeit

Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie in einer anderen Zeit leben würden? Vor 10 Jahren, vor 200 Jahren, vor 1.000 Jahren, in 20 Jahren?

Kreativitätstechnik #4: Was würde Person X tun?

Eine spielerische Herangehensweise: Suchen Sie sich unterschiedliche Personen und fiktive Figuren, schlüpfen Sie in deren Schuhe und überlegen Sie, wie diese Personen/Figuren vorgehen würden.

Mein Tipp: Nehmen Sie Personen und Figuren aus unterschiedlichsten Bereichen, etwa Filmregisseure/Schauspieler, Figuren aus Film oder Literatur, Sportler, Superhelden, Musiker, Schriftsteller, Erfinder, Unternehmer, Politiker. Zum Beispiel Steven Spielberg, James Bond, Isaak Newton, Barack Obama oder Caesar. Es sollten Modelle sein, von denen Sie mehr wissen als den Namen – sonst fällt es Ihnen schwer, in dieses Rolle zu schlüpfen.

Kreativitätstechnik #5: Mit den Augen eines Kindes

Wenn Sie Kinder im Bekanntenkreis haben, schildern Sie denen die Situation und fragen Sie sie, was sie tun würden, um die Lösung zu finden. Das dürfen gerne Kinder unter 10 Jahren sein. Erwarten Sie dann allerdings nicht, eine fertige Lösung präsentiert zu bekommen: Erfahrungsgemäß erhält man so Vorschläge, die komplett anders sind als die von Erwachsenen und die sich gut als Trigger für eigene Ideen oder als Ausgangspunkt für weitere Techniken aus diesem Artikel nutzen lassen.

Kreativitätstechnik #6: Sie haben Superkräfte

Stellen Sie sich vor, Sie haben die Superkräfte von Superman, Wonderwoman, Spiderman, Batman oder einer anderen Comic-Figur. Wie würden Sie diese Kräfte einsetzen, um das Problem zu lösen? Menschliche Grenzen spielen dabei keine Rolle.

Kreativitätstechnik #7: Unendliche Ressourcen

Ähnlich wie die Superman-Methode: Stellen Sie sich vor, Ressourcen wie Geld, Zeit und Arbeitskräfte würden keine Rolle spielen? Was würden Sie tun?

Kreativitätstechnik #8: Kopfstandmethode

Auch diese Methode setzt auf einen Perspektivenwechsel: Drehen Sie die Frage einfach um.

Lautet die Aufgabe zum Beispiel „Wie können wir den Umsatz für Produkt x steigern?“, dann könnte die Umkehrung lauten: „Was müssen wir tun, um den Umsatz für x auf Null zu bringen?“ Die Antworten auf diese Frage sind selbstverständlich keine sofort umsetzbaren Lösungen für die Ausgangsfrage. Aber so gewinnen Sie erfahrungsgemäß eine Reihe von Ideen, die bei der Lösung des Problems helfen.

So finden Sie im Beispiel durch die Umkehrfrage höchstwahrscheinlich die wesentlichen Stellschrauben für den Umsatz heraus – und das könnte bei der Antwort auf die Ausgangsfrage von Nutzen sein.

Kreativitätstechnik #9: Im Kino

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino. Auf der Leinwand beobachten Sie als unbeteiligter Zuschauer die Situation, für die jemand „im Film“ eine Lösung/Idee sucht.

Mit Abstand – räumlich und auch als Person – sehen Sie zumeist mehr als die Person, die mitten im Problem steckt.

Wenn es Ihnen schwer fällt, Abstand zu finden: Stellen Sie sich vor, Sie sehen das Ganze in einem Schwarzweißfilm.

Kreativitätstechnik #10: Vom Ziel rückwärts denken

Stellen Sie sich vor, das Problem ist gelöst, Sie haben das Ziel erreicht? Was ist nun anders? Und wie sind Sie zum Ziel gelangt?

Mit hilft es, das tatsächlich im Raum zu tun:

  1. Ich markiere eine Stelle im Raum als Ausgangspunkt und trete an diesen Punkt.

  2. Ich stelle mir da so konkret wie möglich die Ausgangssituation vor (visuell – wie sieht es aus, auditiv – wenn es da etwas zu hören gibt, wie hört es sich an, kinästhetisch – wie fühlt sich das Problem an/wie fühlt es sich an, das Problem zu haben?).

  3. Dann schaue ich mich im Raum um: Wo könnte das Ziel liegen? Wenn Sie kein visueller Mensch sind, schließen Sie die Augen und spüren hin.

  4. Gehen Sie an die Stelle im Raum, wo für Sie das Ziel liegt.

  5. Stellen Sie sich nun intensiv vor das Problem ist gelöst, Sie sind am Ziel. Auch hier wieder: Was sehen Sie? Was hören Sie? Was spüren Sie?

  6. Dann drehen Sie sich um und schauen zurück zum Ausgangspunkt. Wie sind Sie vom Ausgangspunkt zum Ziel gelangt?
    Probieren Sie aus, welche Vorgehensweise Ihnen besser liegt:
    * Was war der erste Schritt (vom Ausgangspunkt aus)? Was der zweite Schritt …
    * Was war der letzte Schritt vor dem Ziel? Was war der Schritt davor …
    Notieren Sie sich jeden einzelnen Schritt.

Kreativitätstechnik #11: A bis Z

Diese Methode liefert eine Reihe von Inputs rund um das Problem bzw. die Aufgabe. Damit beleuchten Sie das Problem/die Aufgabe von verschiedenen Seiten.

  1. Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift – alternativ öffnen Sie ein leeres Dokument in Ihrem Textprogramm.

  2. Schreiben Sie untereinander die Buchstaben des Alphabets von A bis Z, auch die Umlaute.

  3. Gehen Sie nun die Liste durch und schreiben in jede Zeile ein Wort, das mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt und mit der Aufgabe zu tun hat. Wenn Ihnen mehrere Wörter einfachen, schreiben Sie sie daneben.
    Fällt Ihnen zu einem Buchstaben nichts ein, fahren Sie mit dem nächsten fort.

  4. Gehen Sie die Liste noch einmal durch und füllen Sie die Lücken auf.

Zu den Bildern

Das Bild von Caesar stammt aus dem Buch „Geschichte der Römischen Kaiser“ von Alfred von Domaszewski, veröffentlicht 1914.
Das Wonderwoman-Foto stammt von Pixabay-Nutzerin Erika Wittlieb.
Das Kopfstand-Foto stammt von Pixabay-Nutzerin Ulrike Mai.
Das Foto der gewundenen Straße stammt von Pixabay-Nutzer Unsplash.